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10.01.2002

00:09 Uhr

B2B-Plattform im Hafen von Barcelona

Warenumschlag wird per Internet kontrolliert

VonMICHAEL RICHTER

Neben der Abwicklung von Frachtpapieren, Kaianträgen und Lieferstatistiken informiert die B2B-Plattform, die Gedas im Hafen von Barcelona aufgebaut hat, über das Internet in Echtzeit über Schiffsankünfte und-abfahrten.

BARCELONA. Der Vorteil: Fracht- und Passagierlisten sind für die unterschiedlichsten Agenten im Hafen rund um die Uhr einsehbar. Über die Internetplattform stehen auch Informationen zum Warenumschlag von Hunderten Güterzügen und Lastkraftwagen, die tagtäglich in den Hafen hinein- und wieder herausfahren, bereit.

Ein- und Ausfuhrzölle werden elektronisch über das System abgerechnet. Polizei und Feuerwehr erfahren, wo genau im Hafen welche gefährlichen Güter lagern und was im Falle einer Havarie zu tun ist. Diese komplexen Informationen stehen heute gebündelt auf www.PortIC.net 24 Stunden am Tag bereit. Die Internetplattform ist ein alltägliches Instrument der Hafengemeinschaft geworden. Das war vor knapp zwei Jahren nicht so.

Mit über 9 000 Frachtschiffen, die pro Jahr an den Kais der katalanischen Hauptstadt anlegen, ist Barcelonas Hafen auf dem Weg, der wichtigste Güterhafen Südeuropas zu werden. Um dieses Ziel zu erreichen, ist der Einsatz von Informationstechnologie unerlässlich. Das Potenzial zur Produktivitätssteigerung beim Güterumschlag liegt in optimierten Logistikprozessen, einheitlichen Enterprise Resource Planning(ERP)-Systemen und den Möglichkeiten des Internets als virtueller Marktplatz.

Die rund 300 Unternehmen der Hafengemeinschaft in Barcelona mussten vor zwei Jahren erkennen, dass "ihr" Hafen im europäischen Wettbewerb seinen Spitzenplatz nur ausbauen kann, wenn die internen Arbeitsprozesse präzise aufeinander abgestimmt und damit Service und Sicherheit im Hafen verbessert werden. Das Ziel war, eine Hafengemeinschaft als geschlossenes Unternehmenssystem zu errichten. Um diese unternehmerische Vision in die Wirklichkeit umzusetzen, mussten alle Register moderner Informationstechnologie gezogen werden.

Ein Team, bestehend aus Experten von PortIC und Gedas, entwickelte eine B2B-Kommunikationsplattform, um die Hafenunternehmen zusammenzuführen und auf diese Art den Warenumschlag zu vernetzen. Denn die in den verschiedensten Branchen tätigen Unternehmen der Hafengemeinschaft arbeiteten bis Anfang 1999 weitgehend eigenständig und nutzten unterschiedlichste Informations- und Datenverarbeitungssysteme. Diese waren größtenteils veraltet und für E-Business-Prozesse nicht geeignet. Anpassungen der IT-Landschaften für jedes einzelne Unternehmen machten zudem eine einheitliche Kommunikation untereinander unmöglich. Der Hafen von Barcelona stellte sich als ein Flickenteppich aus IT-Landschaften dar. Bis zu 43 verschiedene Formulare waren für einen einzigen Geschäftsprozess im Hafen im Einsatz.

Diese, noch weitgehend auf Papier basierenden Arbeitsabläufe, waren Sand im Hafengetriebe. Die Flut unterschiedlicher Formulare und Prozesse bremste das Business aus. Zur Lösung dieser Probleme wurde ein Systemintegrator mit umfassender ERP- und E-Commerce-Erfahrung gesucht, der alle Leistungen aus einer Hand anbieten kann. "Technologische Kompetenz, wirtschaftliche Stärke und die internationale Dimension von Gedas waren die entscheidenden Pluspunkte", sagte Eduard Rodes, Geschäftführer von PortIC. Gedas Iberia hatte mit damals etwa 640 Mitarbeitern auf der iberischen Halbinsel das Potenzial für dieses Projekt. In zehn Monaten führte der Systemintegrator das Projekt zum Erfolg. Hierzu baute das Unternehmen die E-Commerce-Plattform PortIC (www.PortIC.net) auf. Die Software entwickelten die Experten von Gedas und PortIC gemeinsam. Gedas Iberia übernahm zudem den Aufbau der Computer-Infrastruktur bei allen 300 Hafen-Unternehmen und sorgte für deren reibungslose Vernetzung nicht nur untereinander, sondern auch mit den externen Kooperationspartnern.

Eine einheitliche Basisverwaltung sämtlicher Informationen, Dokumente und Zahlungsmethoden der Hafengemeinschaft und ihrer Kunden wurde aufgebaut, um den Verwaltungsaufwand der Hafengemeinschaft zu reduzieren. Der neue Service sorgt jetzt für den reibungslosen Echtzeit-Austausch aller für das Tagesgeschäft notwendigen Dokumente, wie Rechnungen, E-Mails, Frachtbriefe, Deklaration gefährlicher Güter, Instruktionen für die Verschiffung, Ankunftsnotizen oder Anfragen nach Personal.

Die nun auch elektronisch möglichen Finanz-Transaktionen zwischen Mitgliedern der Hafengemeinschaft haben mittlerweile einen Umfang von insgesamt über 300 Mrd. Pta angenommen, was umgerechnet etwa 3,5 Mrd. DM entspricht. PortIC.net ist eines der weltweit modernsten Systeme für Hafenlogistik, das im Durchschnitt den Güterumschlag im Hafen von Barcelona von sechs auf vier Tage verringerte. Kommunikation über eine B2B-Plattform im Internet erwies sich als der Schlüssel zum Erfolg.

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