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04.04.2003

10:00 Uhr

Bagdad ohne Wasser

US-Truppen besetzen Flughafen von Bagdad

Nach heftigen Gefechten haben US-Truppen nach eigenen Angaben am Freitag die Kontrolle über den internationalen Flughafen von Bagdad erlangt. Bei den Kämpfen seien 320 irakische Soldaten getötet worden, teilte das US-Militär mit. Der Flughafen liegt 20 Kilometer vom Stadtzentrum entfernt und ist von strategischer Bedeutung für die Nachschubversorgung der US-Truppen sowie eine Einnahme Bagdads.

Auf diesem Foto von Donnerstag patrouikkiert ein irakischer Soldat im leeren Flughafen von Bagdad.

Auf diesem Foto von Donnerstag patrouikkiert ein irakischer Soldat im leeren Flughafen von Bagdad.

Reuters BAGDAD. Das Zentrum der irakischen Hauptstadt war in der Nacht erneut Ziel massiver Luftangriffe. Die Stadt lag im Dunkeln, nachdem bereits am Donnerstagabend der Strom ausgefallen war. US-Generalstabschef Richard Myers warnte angesichts der jüngsten Erfolge der US-Truppen vor zu großer Euphorie.

"Wir kontrollieren den Flughafen. Es ist ein großes Gelände mit vielen Gebäuden, die noch geräumt werden müssen, aber er ist unser", sagte ein Oberst der dritten US-Infanteriedivision, John Peabody. Das US-Militär teilte weiter mit, bei der Erstürmung des Flughafens seien Dutzende irakische Truppentransporter, Lastwagen und Artillerie-Stellungen zerstört worden. Reuters-Korrespondent Luke Baker berichtete, auf den Flughafen vorrückende US-Einheiten hätten einen Gegenangriff der Iraker abwehren müssen. Fünf Panzer und eine Reihe von Fahrzeugen seien zerstört worden. "Die Panzer brennen und ich kann mehrere Leichen sehen", sagte Baker . Die Einnahme des Flughafens ist nach Einschätzungvon Militärstrategen von großer Bedeutung für die Verstärkung und Versorgung der US-Truppen. Bei einem Kampf um Bagdad könnten von dort aus mit bodengestützten Raketen oder Artillerie Ziele im Zentrum angegriffen werden. Reuters-Korrespondent Nadim Ladki berichtete von mindestens 16 heftigen Explosionen, die das Zentrum Bagdads erschütterten. Das US-Central Command teilte mit, Ziel der Angriffe in der Nacht sei unter anderem die Zentrale der irakischen Luftwaffe gewesen. Angriffe auf Elektrizitätseinrichtungen seien hingegen nicht geflogen worden, verlautete aus US-Militärkreisen.

Myers warnt vor Euphorie

Myers erklärte am Donnerstag in Washington, den US-Truppen stünden noch harte Gefechte bevor. "Niemand sollte euphorisch sein, dass wir nun am Rand von Bagdad stehen und die Sache fast vorbei ist. Das ist nicht wahr...Ich denke, es wird noch sehr hart." Er fügte hinzu, es bestehe keine Eile, Bagdad einzunehmen, da mittlerweile 45 % des Iraks nicht mehr unter Kontrolle der irakischen Führung stünden. "Bagdad wird immer unwichtiger", sagte Myers. "Dort gibt es ein Regime, das nicht mit dem Volk kommunizieren kann."

Das irakische Staatsfernsehen zeigte am Freitag erneut Bilder des irakischen Präsidenten Saddam Hussein im Kreise weiterer ranghoher Vertreter des Landes. "Der Sieg ist sicher und in unserer Hand", wurde Saddam in dem Beitrag zitiert. "Wir dürfen nicht den Feind entscheiden und zuschlagen lassen, wir müssen Wege finden, ihn zu erschöpfen und durch seine Reihen zu schlagen und ihm nicht die Chance geben, Atem zu schöpfen." Es war unklar, wann der Beitrag aufgezeichnet wurde. Seit Ausbruch des Krieges hatte es immer wieder Spekulationen gegeben, Saddam sei bei den massiven Angriffen auf Bagdad getötet oder verletzt worden. Der irakische Außenminister Nadschi Sabri sagte am Freitag in einem Interview der BBC, Saddam lebe und sei wohlauf.

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