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03.08.2000

16:30 Uhr

Reuters BERLIN. Der DaimlerChrysler-Konzern steht nach Angaben aus Branchenkreisen offenbar kurz vor dem Verkauf seiner problembehafteten Bahntochter Adtranz. In den Kreisen hieß es am Donnerstag weiter, vermutlich werde noch in dieser Woche der Verkauf der Adtranz-Bahnfahrzeug-Aktivitäten an Bombardier bekanntgebeben. Für die Adtranz-Aktivitäten in der Signal/Elektrotechnik sei die französische Alstom ein Kandidat. Bei DaimlerChrysler hieß es: "Gerüchte kommentieren wir nicht". Konzernchef Jürgen E. Schrempp hatte jüngst erklärt, sein Konzern spreche intensiv mit Bombardier über den Verkauf seiner Bahntechnik-Tochter. Der Bereich-Bahnfahrzeuge stellt den überwiegenden Teil des Gesamtumsatzes der Adtranz von 3,6 Mrd. Euro in 1999 dar, wobei der Konzern mit Verlust abschloss. Im zweiten Quartal 2000 hatte die Bahn-Tochter, die den Bereich Bahnsysteme im DaimlerChrysler-Konzern darstellt, bei einem um 31 % höheren Umsatz 1,1 Mrd. Euro umgesetzt und erstmals seit längerem ein ausgeglichenes Ergebnis erzielt. Auch für das Gesamtjahr 2000 rechnet DaimlerChrysler mit einem deutlichen Umsatzzuwachs bei Erreichen der Gewinnschwelle. Adtranz beschäftigte nach eigenen Angaben Ende 1999 gut 23 000 Mitarbeiter, davon rund 7000 Mitarbeitern in Deutschland. Ein Adtranz-Sprecher sagte zu den Informationen aus Branchenkreisen: "Ich kann dazu keine Stellungnahme abgeben". Auch der Betriebsrat des Unternehmens ist nach eigenen Angaben bislang nicht davon informiert worden, dass ein kurzfristiger Verkauf von Adtranz bevorstehe. Adtranz stellt Bahnen und Bahnkomponenten her und ist unter anderem am ICE-Hochgeschwindigkeitszuges beteiligt gewesen. In Branchenkreisen wird davon ausgegangen, dass Bombardier bei einer Übernahme der Bahnfahrzeug-Aktivitäten von Adtranz dort nochmals erheblich rationalisieren werden dürfte. "Bombardier wird dann erst mal einige Zeit beschäftigt sein", hieß es in Branchenkreisen. Der andere große deutsche Verkehrstechnik-Konzern Siemens hat im Gegensatz zur Adtranz seine langjährige Verlustphase bereits beendet und schreibt seit mehreren Quartalen wieder Gewinne. DaimlerChrysler hatte vor wenigen Jahren von ABB deren damaligen fünzigprozentigen Anteil an der Adtranz übernommen. Für Firmenchef Jürgen Schrempp gehört die Adtranz allerdings inzwischen nicht mehr zum Kerngeschäft des Konzerns, das wesentlich vom traditionellen Autogeschäft gebildet wird. Bei der Adtranz laufen nach den hohen Verlusten der letzten Jahre umfangreiche Umstrukturierungen, die sich in jüngster Zeit in einer besseren Ergebnislage niederschlugen.

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