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11.02.2004

07:05 Uhr

Bald sehen deutsche Fans vielleicht nicht mehr jedes Detail

Die Inszenierung der eigenen Wahrheit

VonBenedikt Voigt (Handelsblatt)

Die Deutsche Fußball-Liga will ihre Fernsehbilder selbst produzieren - in den USA führt das zu Zensur

BERLIN. Was Amerika nicht sehen durfte, rannte zu Beginn der zweiten Halbzeit des Super Bowl nackt über das Spielfeld. Mark Roberts, ein bekannter Flitzer aus England, hatte sich als Schiedsrichter verkleidet auf das Spielfeld geschlichen und dort alle Kleider abgeworfen - von einer Baseballmütze, Kniestrümpfen und einem Tangaslip abgesehen. Es dauerte eine Weile, bis die Footballprofis der New England Patriots und Carolina Panthers den Mann eingefangen hatten. Sicherheitskräfte trugen ihn schließlich vom Feld. Wer in Houston im Stadion saß, amüsierte sich prächtig über das ungeplante Schauspiel. Wer vor dem Fernseher saß und die Live-Übertragung des nationalen Senders CBS verfolgte, sah - nichts davon.

Womöglich werden in Zukunft auch die Fußballfans in Deutschland nicht mehr jedes Detail aus der Bundesliga zu sehen bekommen. Wie die Deutsche Fußball-Liga (DFL) in der vergangenen Woche bekannt gab, will sie das Fernsehsignal in Zukunft selber produzieren und den Fernsehanstalten als Grundsignal zur Verfügung zu stellen. "So sind wir näher dran am eigenen Produkt und können das Branding stärker überwachen", sagte der DFL-Geschäftsführer Wilfried Straub. Der Liga schwebt vor, eine eigene Gesellschaft zu gründen oder den Auftrag an eine Produktionsfirma zu vergeben. Doch die Pläne stoßen nicht überall auf Gegenliebe. "Das wäre keinesfalls zum Guten des Sports", sagt Thomas Schierl, Leiter des Instituts für Sportpublizistik in Köln. "Es würde den Kommerzialisierungsgrad des Fußballs erhöhen und die Grenze mehr in Richtung Fiktion, PR und Werbung verschieben."

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