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18.01.2001

17:24 Uhr

Balkan-Syndrom

NATO räumt die Möglichkeit von Plutonium in Uran-Geschossen ein

Die NATO hat eingeräumt, dass Munition aus abgereichertem Uran Plutonium enthalten kann. Dies stelle aber, nach Worten eines Sprechers, kein erhöhtes Gesundheitsrisiko dar.

Reuters BRÜSSEL. Die NATO hat eingeräumt, dass Munition aus abgereichertem Uran Plutonium enthalten kann, gleichzeitig aber erklärt, dies stelle kein erhöhtes Gesundheitsrisiko dar. Ein NATO-Sprecher sagte am Donnerstag in Brüssel, es sei bereits "seit langem" bekannt, dass die Möglichkeit bestehe, dass sich in dem Material Spuren von Plutonium und radioaktivem Uran 236 befinden könnten. Die Konzentrationen seien indes so gering, dass sie mit Blick auf Gesundheitsrisiken "irrelevant" seien. Die NATO hatte die Geschosse in den Balkan-Kriegen eingesetzt. NATO-Vertreter hatten mehrfach erklärt, es gebe keine Beweise für einen Zusammenhang zwischen dem Einsatz der Munition und Krebserkrankungen.

Nach Angaben "unabhängiger Experten" seien die Konzentrationen von Uran 236 und Plutonium so gering, dass sie keinerlei "Grund zur Sorge" böten, sagte der Sprecher weiter. Beide Materialen steigerten die Strahlung der Munition nur um 0,8 %, teilte das Bündnis weiter mit.

Verteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD) hatte von den USA eine vollständige Offenlegung aller Informationen über die Munition verlangt. Zudem hatte er den amtierenden US-Botschafter einbestellt, um ihn auf den Verdacht anzusprechen, die auf dem Balkan von den USA eingesetzten Uran-Geschosse könnten Spuren von hochgiftigem Plutonium enthalten.

Neben den USA hatten auch Frankreich und Großbritannien in der NATO Forderungen Deutschlands und Italiens eine Absage erteilt, vorübergehend auf den Einsatz der Munition zu verzichten. Für ein solches Moratorium hatten sich auch EU-Kommissionspräsident Romano Prodi und das Europäische Parlament ausgesprochen. Die EU-Außenminister wollen Diplomaten zufolge bei ihrem Treffen am Montag über die Uran-Munition beraten.

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