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16.01.2001

17:13 Uhr

Balkan-Syndrom

Rühe erließ trotz Hinweis auf Uran-Munition keine Schutzmaßnahmen

Bereits 1997 erfuhr der frühere Verteidigungsminister Volker Rühe (CDU), dass die US-Streitkräfte beim Balkankonflikt Uranmunition verschossen haben. Empfehlungen zu vorsorglichen Maßnahmen sind aber erst im Juni 1999 auf Befehl von Rudolf Scharping (SPD), kurz nach dem Einsatz deutscher Soldaten im Kosovo, ausgesprochen worden.

dpa BERLIN. Der frühere Verteidigungsminister Volker Rühe (CDU) hat trotz konkreter Hinweise auf den Einsatz von Uran-Munition in Bosnien keine Schutzmaßnahmen für die deutschen Soldaten erlassen. Rühe sei Ende 1997 informiert worden, dass die US-Streitkräfte 1994 und 1995 Munition mit abgereichertem Uran in Bosnien verschossen haben, erfuhr die dpa am Dienstag aus dem Verteidigungsministerium. Eine Empfehlung zu vorsorglichen Maßnahmen sei nicht ausgesprochen worden.

Dies sei erst im Juni 1999 auf Befehl von Rühes Nachfolger, Rudolf Scharping (SPD), kurz nach dem Einsatz deutscher Soldaten im Kosovo geschehen, hieß es. Auch dort hatten die Amerikaner Uran-Munition abgefeuert. Den Informationen zufolge wurde im Ministerium eine geringe Gefährdung durch Uran-Munition nicht ausgeschlossen.

Ferner beantwortete das Verteidigungsministerium 1995 die Anfrage eines Bundestagsabgeordneten nach Verwendung von Uran-Munition in der Bundeswehr mit Nein und verwies darauf, dass auch der Abschuss zu Übungszwecken in Deutschland verboten sei. Erkenntnisse zur Gefährlichkeit der Munition lägen nicht vor, hieß es damals. Unter Berufung auf einen ehemaligen Soldaten berichtete der Norddeutsche Rundfunk, die Bundeswehr habe 1980 Uranmunition getestet.

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