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27.01.2003

07:33 Uhr

Bankaufseher prüfen Übernahme durch Crédit Agricole – BNP Paribas als Wortführer der Einsprüche

Heißer Kampf um Crédit Lyonnais

VonAndreas Bohne (Handelsblatt)

Frankreichs Geldinstitute machen bei der Bankaufsicht gegen die Übernahme von Crédit Lyonnais durch Crédit Agricole mobil. Sie haben starke Argumente, aber keine neuen: Die Partner haben aus ihrer dominanten Stellung in Frankreich keinen Hehl gemacht. Derweil fiebern die Märkte dem Start der Offerte entgegen.

PARIS. Die französische Bankenaufsicht Cecei wird heute unter dem Vorsitz von Banque-de-France-Gouverneur Jean-Claude Trichet über die Einsprüche gegen die Übernahme der Großbank Crédit Lyonnais durch die genossenschaftliche Crédit-Agricole-Gruppe beraten. Im letzten Moment versuchte unter anderem BNP Paribas, mit grundsätzlichen Bedenken die Transaktion zu torpedieren.

Frankreichs größte private Bank macht massive Einwände gegen den Deal geltend. BNP-Boss Michel Pébereau ist nach Informationen aus Unternehmenskreisen zu dem Schluss gekommen, dass es, "wenn diese Transaktion zu Stande kommt, nie wieder eine Bank in Frankreich geben wird, die in der Lage wäre, der neuen Gruppe Konkurrenz zu machen".

Weitere Einsprüche liegen von Société Générale, den Sparkassen, der zur britischen HSBC gehörenden Privatbank Crédit Commercial de France sowie von der Gruppe Natexis Banques Populaires vor. Ob die Einsprüche die Bankaufseher veranlassen werden, die Übernahme zu untersagen oder mit Auflagen zu versehen, ist noch offen.

Fast ebenso wichtig ist nach Hinweisen von Analysten, wie lange der ursprünglich für den 13. Januar vorgesehene Start der Offerte sich noch verzögert, auf die man an den Märkten gespannt wartet. Denn mit bis zu 16 Mrd. Euro Gesamtvolumen dürfte sie zu einer der größten Transaktionen den neuen Jahres werden.

Noch vor Kurzem waren die Chefs von Crédit Agricole, Jean Laurent, und Crédit Lyonnais, Jean Peyrelevade, davon ausgegangen, dass die Transaktion von dem Gremium unter Leitung des Banque-de-France-Gouverneurs Jean- Claude Trichet glatt durch gewinkt werde. Doch scheint das Gremium die Prüfung des Deals anhand von elf Vorsichts- und Konkurenz-Kriterien sehr ernst zu nehmen.

"Wir stellen uns auf einen Start unserer Offerte in der Woche ab dem 3. Februar ein", sagte ein Manager der Agrarbank dann vergangene Woche. Jetzt heißt es in Bankkreisen, die Offerte werde wohl noch eine Woche später kommen. Denn die Stellungnahmen der Börsenaufsicht COB und des nationalen Kartellamtes stehen noch aus.

Zwar ist die Übernahme kein Fall für Brüssel, weil das neue Duo zwei Drittel seiner Erlöse im Inland erwirtschaftet. Doch in Frankreich gibt es nach Ansicht der Berater von BNP Paribas Prüfungsbedarf wegen der Dominanz der kombinierten Gruppe bei Privatkunden in der Fläche. 44 % der Franzosen hätten je mindestens ein Konto bei Crédit Lyonnais oder Crédit Agricole, zitiert das Wirtschaftsblatt "La Tribune" aus ihren Unterlagen. Bei privaten Haushalten habe das neue Duo fast 35 % Marktanteil.

Ähnliche Zahlen hatte der Crédit- Agricole-Aufsichtsratschef René Carron allerdings von Beginn an freimütig eingeräumt. "Fast ein Drittel der Franzosen wird bei der neuen Gruppe ihr Konto haben", sagte er bei einer Präsentation der Übernahme. Doch sei das auch jetzt schon so - die Filialnetze überschnitten sich kaum. Auch künftig sollen Marken und Filialnetze strikt getrennt bleiben - das mussten die Agrarbanker Crédit-Lyonnais-Chef Jean Peyrelevade zusichern.

Bei kleineren Banken bleibt die Sorge vor einem übermächtigen Konkurrenten. "Unsere Stellungnahme hält sich so weit wie möglich an die Fakten", sagte ein Sprecher der Gruppe Natexis Banques Populaires. "Aber eine Gruppe wie die unsere kann bei der Neugestaltung der französischen Bankenlandschaft nicht abseits stehen."

Der Wortführer der Einsprüche, BNP Paribas, ist an Crédit Lyonnais mit 16,4 % beteiligt. Gut 11 % hatte die Bank im Oktober bei der Versteigerung des restlichen Staatsanteils an der privatisierten Bank im Handstreich ersteigert. Mit 58 Euro je Aktie hatte sie dabei allerdings auch eine strategische Prämie gezahlt. Zwar hat Pébereau nie offen von einer Übernahmeabsicht gesprochen, eine Gegenofferte aber nie ausgeschlossen. Am Freitag lag der Crédit-Lyonnais-Kurs nahezu unverändert bei rund 54 Euro. Laurent und Carron hatten ihre insgesamt 16 Mrd. Euro umfassende Offerte auf einen Durchschnittspreis von 56 Euro je Aktie getrimmt. Das liegt etwas über dem, was Mitaktionär BNP Paribas im Mittel für ihre Aktien der Bank gezahlt hatte.

Die Agrargenossen haben neben ihren 18 % an Crédit Lyonnais inzwischen Zusagen von Aktionären, die ihnen rund die Hälfte der Stimmrechte bei der Bank sichern. Unter diesen Umständen gilt es für BNP Paribas als schwierig, Crédit Agricole noch in den Arm zu fallen. Zwar binden die Andienungsabsprachen mit den größeren Aktionären von Crédit Lyonnais diese nicht, wenn ein höheres Gegengebot auf den Tisch kommt. Doch müsste Pébereau dafür mehr Geld bieten, als er für das Staatspaket gezahlt hat - nach Schätzung Pariser Analysten bis zu 70 Euro je Aktie.

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