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04.02.2002

19:00 Uhr

Banken leiden unter faulen Krediten

Japans Finanzkrise ist noch schlimmer

Japans Banken leiden noch stärker unter faulen Krediten, als ohnehin schon bekannt. Zu diesem Ergebnis kommt die Allfinanz-Aufsichtsbehörde (FSA).

ga/dpa TOKIO. Demnach ergibt sich für die 136 Banken ein Problemkreditvolumen von 36,8 Billionen Yen (rund 312 Mrd. Euro). Gegenüber dem Vorjahr bedeutet dies eine Zunahme um umgerechnet rund 26,4Mrd. Euro.

Diese Nachricht erschütterte am Montag die vier führenden Bankkonzerne am Tokioter Aktienmarkt. Auch die Regierungserklärung von Ministerpräsident Junichiro Koizumi während der letzten Stunde des Börsenhandels enttäuschte die Marktteilnehmer, da sie keine substanziell neuen Aussagen zur Bewältigung der Bankenprobleme enthielt.

Ohnehin steht Koizumi stark unter politischem Druck. Die Opposition hat einen Misstrauensantrag gegen den Ministerpräsidenten gestellt. Begründet wurde der Antrag mit dem angeblich schlechten Krisenmanagement im Zusammenhang mit der Rinderkrankheit BSE. Koizumi dürfte die heutige Abstimmung aber überstehen, da die Regierungskoalition über genügend Abgeordnete verfügt, die ihn unterstützen dürften.

Zu der dramatischen Bankenkrise sagte Koizumi im Parlament: "Wir werden alle verfügbaren Maßnahmen ergreifen, um den Ausbruch einer Finanzkrise zu vermeiden." Außerdem bekräftigte er seine Entschlossenheit zur Umsetzung der Strukturreformen.

Der Chef des Wirtschaftsdachverbands Keidanren, Takashi Imai, sprach sich für weitere öffentliche Gelder zur Stärkung der kapitalschwachen Banken aus. Ihre geschwächte Finanzkraft sei der Grund, warum es mit dem Abbau der notleidenden Kredite nicht vorangehe. Er glaube zwar nicht, dass von Japan eine Finanzkrise ausgehen werde, sagte Imai. Um diese jedoch zu verhindern, sei es ratsam, unter anderem weitere staatliche Finanzmittel in das Banksystem zu pumpen.

Viele japanische Schuldnerunternehmen leiden unter der erneut schweren Rezession und dem andauernden Preisverfall. Wirtschaftsminister Heizo Takenaka versprach, die sich "weiter verschlechternde" Wirtschaft vor einer Deflationsspirale zu bewahren. Am Markt wird befürchtet, dass die Banken auch weiterhin Milliarden-Summen zur Abschreibung ihrer massiven Problemkredite aufbringen müssen. Eine Lösung der Problemkredite gilt als Kardinalaufgabe zur Gesundung der japanischen Wirtschaft.

Angesichts der anhaltenden "Deflations-Rezession", so die Ratingagentur Standard & Poor?s, müsse in diesem und im kommenden Jahr mit einer weiteren Verschlechterung der Kreditqualität gerechnet werden. Darüber hinaus rechnet die Agentur mit einer Zunahme von Konkursen quer durch alle Branchen. Besonders kritisch wird die Entwicklung in den so genannten Hightech-Industrien, im Handel, in der Baubranche und in der Lebensversicherungswirtschaft gesehen.

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