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14.04.2003

08:24 Uhr

Banken und Versicherungen begeben spezielle Bonds zur Bildung von Eigenkapital

Nachrangige Anleihen bieten hohe Renditen

VonAndrea Cünnen

So genannte nachrangige Anleihen von Banken und Versicherungen haben einen entscheidenden Vorteil: Obwohl sie von erstklassigen Emittenten kommen, bieten sie eine hohe Rendite. Grund: Die Besitzer solcher Papiere sind im Konkursfall schlechter gestellt als andere Gläubiger. Analysten sehen noch Kurspotenzial für die Papiere.

FRANKFURT/M. Nachrangige Anleihen sind kompliziert, aber bei Investoren und Emittenten gleichermaßen beliebt. Das zeigte der Run auf die vergangene Woche begebene Anleihe der Münchener Rück. Der drei Milliarden Euro schwere Bond, den die Münchener Rück nach zehn Jahren zurückkaufen will, war doppelt überzeichnet. Das verwundert angesichts eines attraktiven Renditeaufschlags von 262 Basispunkten (2,62 Prozentpunkten) über der zehnjährigen Bundesanleihe kaum. So eine hohe Rendite bietet nicht einmal France Télécom, obwohl das Rating des französischen Telekomkonzerns deutlich schlechter ist als das des weltgrößten Rückversicherers.

Grund für die hohe Rendite ist die Struktur der Anleihe. Sie ist nachrangig, das heißt: Wenn die Münchener Rück pleite geht, bekommen die Besitzer des Bonds erst nach den anderen Gläubigern ihr Geld zurück (siehe Kasten). Dass dieser Worst Case eintritt, gilt zwar als unwahrscheinlich, aber ob Investoren die hohen Zinsen tatsächlich bekommen, ist nicht ganz sicher. Denn wenn die Münchener Rück keine Dividende ausschüttet, muss sie auch keine Zinsen für den Bond zahlen. Das gilt für viele nachrangige Anleihen von Versicherungen sowie für Anleihen mit denen Banken Kernkapital bilden können (Tier-1-Anleihen). Beide Anleiheformen rentieren mit durchschnittlichen Renditeaufschlägen von mehr als 200 Basispunkten über Bundesanleihen besonders hoch. Die Ratingagenturen geben nachrangigen Versicherungsanleihen und Tier-1-Anleihen in der Regel um zwei Stufen schlechtere Bonitätsnoten als den Unternehmen selbst.

Um nur eine Stufe schlechter als die emittierende Bank sind dagegen meist nachrangige Anleihen bewertet, mit denen die Banken Ergänzungskapital bilden können. "Wenn die Banken auf solche Bonds keine Zinsen zahlen, würde das als Zahlungsausfall gelten", sagt Corinna Dröse, Kreditanalystin bei Crédit Agricole Indosuez. Dafür rentieren diese Bonds im Schnitt auch deutlich niedriger. Dröse spricht den nachrangigen Bonds generell noch Potenzial zu, auch wenn "ein Großteil der Bewegung sicherlich schon gelaufen ist". Nachrangige Bankenanleihen haben sich seit einem halben Jahr gut entwickelt, nachrangige Versicherungsbonds erst seit einem halben Jahr.

Bernd Volk, Researchmanager beim Fondsanbieter Deka Investment, sieht die nachrangigen Bonds kritischer. "Gerade die Entwicklung von nachrangigen Versicherungsanleihen und Tier-1-Anleihen der Banken hänge im gegenwärtigen Kapitalmarkt sehr von der Entwicklung der Aktienmärkte ab", sagt er. Daher sei das Risiko von Kursverlusten hoch. Außerdem seien speziell die Risiken von Rückversicherern schwer abzuschätzen.

Unter Druck könnten die Bonds der Banken und Versicherungen kommen, wenn sich die Ratings in der Finanzbranche weiter verschlechtern. Im ersten Quartal hat Moody?s bereits die Ratings von 16 Banken und Versicherungen herabgestuft. Dabei ist der Ratingausblick bei vielen Finanzunternehmen immer noch negativ.

Dennoch werden die Anleihen von Banken und Versicherern von den Investoren als sicherer angesehen als Anleihen von Industrieunternehmen, sagt Dröse. "Gründe dafür sind die Regulierungen des Marktes durch Gesetze, die Mindestanforderungen an Kapitalausstattung, Liquidität und Sicherheit der Anlagen fordern und die Überwachung durch Aufsichtsbehörden." Darüber hinaus spiele auch die Annahme eine Rolle, dass der Staat oder die Zentralbanken im schlimmsten Fall eingreifen werde, um eine schwere Krise der gesamten Wirtschaft abzuwenden. Bei Banken beziehen auch die Ratingagenturen eine Unterstützung ein. Dabei macht Fitch dies als einzige explizit.

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