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02.01.2001

12:01 Uhr

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Barak sieht nur geringe Chancen für Friedensabkommen

Barak erklärte, weil Arafat bereits so viel Zeit vergeudet habe, habe die israelische Seite Zweifel an der Ernsthaftigkeit seiner Bemühungen.

ap JERUSALEM. Der israelische Ministerpräsident Ehud Barak sieht kaum noch Chancen für ein Friedensabkommen mit den Palästinensern in der Amtszeit von US-Präsident Bill Clinton. Barak erklärte am Dienstag in Jerusalem, der palästinensische Präsident Jassir Arafat habe schon zu viel Zeit verschwendet. Clinton blieben nur noch drei Wochen, und es sei unwahrscheinlich, dass in der letzten Woche seiner Amtszeit ein Abkommen unterzeichnet werde. Auf der Suche nach einer Friedenslösung wollte Arafat in Washington mit Clinton zusammenkommen.

Barak erklärte, weil Arafat bereits so viel Zeit vergeudet habe, habe die israelische Seite Zweifel an der Ernsthaftigkeit seiner Bemühungen. Der Bombenanschlag in Netanja am Montag habe gezeigt, dass Arafat und die palästinensische Autonomiebehörde zu Gewalttaten gegen Israel ermutigten, sagte Barak weiter. Bei dem Anschlag wurden in der israelischen Hafenstadt mehr als 50 Menschen verletzt. Barak erklärte, wahrscheinlich werde sich die allgemeine Lage verschlechtern, wenn Arafat dem US-Friedensplan nicht zustimme.

Arafat brach in der Nacht zum Dienstag nach Washington auf. Sein Sprecher Nabil Aburdeneh sagte, bei dem Treffen mit Clinton entscheide sich die Zukunft des Friedensprozesses. Clinton will Arafat zur Zustimmung zu seinem jüngsten Vorschlag für ein Friedensabkommen mit Israel bewegen. Barak hat den Vorschlag als Grundlage für weitere Gespräche bezeichnet und seine Zustimmung von der Einwilligung Arafats abhängig gemacht. Die palästinensische Seite verlangt aber noch Erläuterungen von den USA. Der Clinton-Vorschlag sieht vor, dass ein künftiger Staat Palästina 95 % des Westjordanlands und den gesamten Gazastreifen umfassen soll. Zudem soll Israel den Palästinensern die Oberhoheit über den arabischen Ostteil von Jerusalem zugestehen, diese sollen dafür auf ihre Forderung nach einem Rückkehrrecht für die palästinensischen Flüchtlinge verzichten.

Nach dem Bombenanschlag in Netanja verschärfte Israel die Sicherheitsvorkehrungen. Der internationale Flughafen von Gaza wurde geschlossen, mehrere Grenzübergängen zwischen dem Gazastreifen und Ägypten sowie zwischen dem Westjordanland und Jordanien wurden gesperrt. Im Gazastreifen schlossen israelische Soldaten drei Durchgangsstraßen und teilten damit die Region in zwei Teile.

In der Nähe der jüdischen Siedlungen Dugit und Kfar Darom explodierten am Dienstag mehrere Bomben. Israelische Streitkräfte beschossen daraufhin nahe gelegene Bauernhöfe von Palästinensern. Ein 52-jähriger Feldarbeiter wurde getötet, wie aus palästinensischen Sicherheitskreisen verlautete. An der Grenze zwischen dem Gazastreifen und Ägypten wurden bei einem Feuergefecht mit israelischen Soldaten sieben Palästinenser verwundet. In den vergangenen drei Monaten wurden in den Autonomiegebieten 357 Menschen getötet, die meisten von ihnen Palästinenser.



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