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25.07.2000

22:00 Uhr

Barak und Arafat bereiten Abreise vor

Streit um Jerusalem bringt Nahost-Gipfel zum Scheitern

Nahost-Gipfel in Camp David gescheitert. Israeli und Palästinenser konnten sich nicht auf Friedensabkommen einigen.

ap THURMONT/USA. Der Streit um Jerusalem hat den Nahost-Gipfel in Camp David scheitern lassen. Nach zwei Wochen Verhandlungen und intensiven Vermittlungsbemühungen von US-Präsident Bill Clinton wurden die Gespräche zwischen Israelis und Palästinensern am Dienstag ohne Ergebnis abgebrochen. Die Kluft zwischen dem israelischen Ministerpräsidenten Ehud Barak und dem palästinensischen Präsidenten Jassir Arafat habe nicht überbrückt werden können, sagte Clinton in Washington. Er zeigte sich aber zuversichtlich, dass der Graben noch überwunden werde, da "die Alternative undenkbar ist."

Eindringlich rief Clinton beide Seiten dazu auf, den Friedensprozess fortzusetzen. Sowohl die israelische als auch die palästinensische Delegation erklärten, sie wollten ihre Anstrengungen fortsetzen, um so schnell wie möglich ein Abkommen zu erreichen. Sie seien sich der Notwendigkeit bewusst, einseitige Maßnahmen zu vermeiden, hieß es weiter. Auch UN-Generalsekretär Kofi Annan rief beide Seiten zu weiteren Bemühungen auf.

Trotz des Scheiterns des Nahost-Gipfels zeigte sich Clinton zuversichtlich. "Wenn Sie mich fragen, haben sie (die Delegationen) genug Fortschritte gemacht, um das hinzukriegen." Er glaube, dass es noch vor dem 13. September zu einer Einigung kommen könne. An diesem Tag läuft die Frist für den Abschluss eines Friedensvertrags aus. Die Palästinenser haben bei einem Scheiterns der Friedensgespräche bis zu diesem Datum die Ausrufung eines eigenen Staates angekündigt. Israel hat für diesen Fall mit der Annexion weiterer Gebiete gedroht.



Weitere Gespräche angestrebt

Sowohl Israelis als auch Palästinenser bedauerten das Scheitern des Gipfels, machten aber jeweils die andere Seite dafür verantwortlich. Der Vertreter der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) in Washington, Hassan Abdel Rahman, betonte wie Clinton die Notwendigkeit weiterer Gespräche, da "die Alternativen zu einem Friedensabkommen sehr hässlich sind".

Er nannte das israelische Angebot, den Palästinensern Souveränität über einige mehrheitlich von Arabern bewohnte Stadtviertel von Jerusalem zuzugestehen, aber völlig unakzeptabel. Die Palästinenser fordern weiterhin die Kontrolle über die gesamte Altstadt Jerusalems. Der Endpunkt der Gespräche sei erreicht gewesen, als Israel den Palästinensern nur Zugang zur Al-Aksa-Moschee auf dem Tempelberg angeboten habe, hieß es aus palästinensischen Verhandlungskreisen. Arafat sei erzürnt gewesen.

Der Sprecher Baraks, Gadi Baltianski, erklärte hingegen im israelischen Rundfunk, die Palästinenser hätten "extreme, unvernünftige Standpunkte" vertreten und seien nicht von ihren Positionen abgewichen.



Israelische Opposition begrüßt Abbruch der Gespräche



Die rechtsgerichtete israelische Opposition begrüßte jedoch den Abbruch der Gespräche. Ein Abkommen wäre "eine Katastrophe für das Land" gewesen, sagte Schaul Jahalom von der Nationalreligiösen Partei. "Es hätte Jerusalem geteilt, hätte Flüchtlinge herein gelassen und Dutzende von Siedlungen zerstört."

"Dieses Scheitern ist ein weiteres Zeichen dafür, dass unsere einzige Wahl der Widerstand ist", reagierte der Leiter der radikalislamischen Hamas, Scheich Ahmed Jassin, auf die Nachricht vom Ende des Gipfels. "Nur mit Gewalt können wir unsere Rechte wahren. Wir sind bereit, uns zu opfern." Israel werde einen hohen Preis zahlen, drohte er.



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