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27.02.2003

18:10 Uhr

Barrel kostet 37,70 Dollar

Rohölpreis steigt ungebremst

Die Irak-Krise treibt die Rohölpreise immer weiter in die Höhe. In New York war Öl am Donnerstag so teuer wie seit Oktober 1990 nicht mehr. Die eskalierende Kriegsgefahr im Irak habe zu einer Hysterie geführt, sagten Marktbeobachter. Daneben ließen auch immer noch zu geringe Öllieferungen aus Venezuela sowie das extrem kalte Winterwetter im Nordosten der USA die Preise steigen. Die Opec bekräftigte, dass sie Produktionsrückgänge im Falle eines Irak-Kriegs ausgleichen will.

HB/dpa NEW YORK/WIEN. An der New Yorker Warenterminbörse Nymex war der Preis für Rohöl zur April-Auslieferung bereits zum Mittwochabend (Ortszeit) um 4,6 Prozent auf 37,70 Dollar je Barrel (159 Liter) in die Höhe geschossen. Am Donnerstag kletterte der Preis im elektronischen Handel weiter um 5,17 Prozent auf 39,65 Dollar, berichtete die Wirtschaftsagentur Bloomberg. Das war der höchste Preis seit Oktober 1990 als der Irak das benachbarte Kuwait besetzt gehalten hatte. Rohöl hatte am 10. Oktober 1990 einen Rekordpreis von 41,15 Dollar verbucht.

Opec-Generalsekretär Alvaro Silva-Calderon sagte am Donnerstag in Wien, das Kartell könne bei Bedarf bis zu vier Millionen Barrel täglich zusätzlich auf den Markt bringen. Er zeigte sich über die andauernd hohen Ölpreise besorgt. Am Mittwoch notierte der Opec - Korbpreis mit 32,49 Dollar je Barrel weit von der angestrebten Höchstgrenze von 28 Dollar entfernt. Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostete in London 33,66 Dollar, 1,78 Prozent mehr als am Vortag.

Der Preisanstieg liege aber nicht an der am Markt verfügbaren Ölmenge, sondern an den Kriegsängsten, betonte Silva-Calderon. Die Opec-Ölminister werden daher beim bevorstehenden Treffen am 11. März in Wien auch keine Ausweitung der Produktion beschließen, sollte es bis dahin zu keinem Irak-Krieg kommen.

Die Rohölpreise sind in den vergangenen drei Monaten in New York um 45 Prozent in die Höhe geschossen. Heizöl hatte allein am Mittwoch um 2,88 Prozent und Erdgas sogar um 12,3 Prozent zugelegt.

Der Preisanstieg sei in erster Linie politisch getrieben, betonte der Rohstoffexperte bei der Dresdner Bank, Wolfgang Wilke. "Die Märkte sind zur Zeit paralysiert." Sollte der Ölpreis über seine bisherige Höchstmarke steigen, seien weitere Höchststände denkbar. Zugleich zeigten die Terminmärkte, dass auf Sicht von einem Jahr die Marktteilnehmer mit einem Zusammenbrechen des Ölpreises rechnen.

Zuletzt hätten vor allem die rückläufigen US-Lagerbestände bei Rohöl, Heizöl, Benzin und Dieseltreibstoff zu einem zusätzlichen Anstieg der Ölpreise geführt, sagte Analyst Folker Hellmeyer von der Bremer Landesbank. Die amerikanischen Rohölbestände sind nach Angaben des US-Energieministeriums auf das niedrigste Niveau seit fast 28 Jahren gefallen. Die amerikanischen Heizöl- und Dieselreserven befinden sich auf dem niedrigsten stand seit Mai 2000.

Die Opec hatte im Januar mit Wirkung vom 1. Februar einer Produktionssteigerung von 6,5 Prozent oder 1,5 Millionen Barrel pro Tag zugestimmt, um die Preise zu drücken und um den Lieferausfall durch den Streik in Venezuela auszugleichen. Venezuela liefert momentan wieder zwei Millionen Barrel pro Tag gegenüber einem Normalniveau von drei Millionen Barrel.

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