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09.01.2003

07:21 Uhr

BASF-Chef Strube sieht Umbau der Branche noch nicht abgeschlossen

Chemie besinnt sich auf ihre Stärken

VonBert Frönfhoff

Mit Blick auf Ölpreis und Konjunktur wird 2003 für die Chemie voraussichtlich ein schwaches Jahr. Die Zeichen stehen auf Kostenkontrolle und Ausbau der Stärken. Den Umbau der Branche hin zu Spezialisten und großen Massenchemiefirmen wird die Konjunkturschwäche nicht aufhalten.

DÜSSELDORF. Trotz der anhaltenden Konjunkturschwäche wird der Umbau der Chemieindustrie in diesem Jahr ungebremst vorangehen. Davon gehen Analysten und Konzerne aus. "Der Konsolidierungsprozess in unserer Branche wird sich fortsetzen", sagte BASF-Vorstandschef Jürgen Strube auf eine Frage des Handelsblatts nach den Trends in der Chemie für dieses Jahr. Nach Ansicht Strubes werden auch der Ausbau des Asiengeschäfts und neue Technologien wie etwa Nano- und Biotechnologie die gesamte Branche prägen.

Analysten stützen seine Einschätzung. "Die Chemie ist im Vergleich zur Auto- oder Papierindustrie noch stark zersplittert", urteilt Ludger Mues von Sal. Oppenheim. Viele Unternehmen planen Zukäufe, weil sie in Kerngeschäften noch keine ausreichend große Masse haben. Im Gegenzug wollen sie sich von Randbereichen trennen. Es gehe ums Besinnen auf die Stärken, glaubt Mues: Die Trennung zwischen Spezialanbietern und Herstellern so genannter Massenchemikalien werde dabei stärker.

BASF will sich nach Auskunft Strubes an der Konsolidierung nicht mit einer Mega-Akquisition oder Fusion beteiligen. "Statt dessen bauen wir selektiv Produktlinien aus und verstärken einzelne Geschäfte", erläuterte der im Mai aus dem Amt scheidende Chef des weltgrößten Chemiekonzerns.

Der Ausbau der Stärken steht auch bei der Bayer AG auf dem Programm. Technische Kunststoffe sowie Pflanzenschutzmittel und Saatgut sind bei dem Leverkusener Chemiekonzern im Fokus der Wachstumsstrategie. In der Chemiesparte hingegen will Vorstandschef Werner Wenning nur einzelne Geschäfte stärken, für andere Teile hingegen einen Partner finden.

Nach Einschätzung von Harald Gruber von West LB Panmure haben Chemiekonzerne aus den Fehlern der 90er Jahre gelernt. Statt breit gefächerter Angebote strebten die Firmen an, in wenigen Arbeitsgebieten zu den drei Topunternehmen zu gehören. "Dieser Trend wird sich verstärken", erwartet Gruber und nennt die niederländische DSM, BASF und die Schweizer Ciba AG als Prototypen einer neuen Generation von Chemieanbietern.

Gruber macht den gelungenen Wandel in der Chemie auch an der momentanen Lage fest: "Die Branche steht im Vergleich zur letzten großen Krise in der ersten Hälfte der 90er Jahre besser da", sagt er. Die Konzentration auf wenige Geschäfte bei gleichzeitiger Kostensenkung zahlte sich bereits im vorigen Jahr aus, als Chemiefirmen wie Dupont oder Ciba trotz schwacher Nachfrage den Gewinn steigerten.

Die Steigerung des Cash-flow etwa durch Kostensenkung wird wohl auch in diesem Jahr im Zentrum vieler Strategien stehen: "Unsere Prioritäten liegen weiter auf Kosten, Kunden und Bargelderzeugung", sagt Cees van Lede, Chef des niederländischen Chemieriesen Akzo Nobel. Von der Konjunktur können Chemiefirmen vorerst kaum Impulse erwarten. Die Branche blickt mit Skepsis aufs neue Jahr. Selbst wenn die Konjunktur im zweiten Halbjahr anspringen sollte, rechnet der Bundesverband der Chemiearbeitgeber kaum mit Zuwächsen: Die Produktionsmengen dürften selbst dann nur eine Steigerungsrate mit einer "eins" vor dem Komma erzielen, heißt es in einem Schreiben des Verbands an die Chemie-Führungskräfte.

Vor allem der hohe Ölpreis setzt Anbietern derzeit zu: "Der Druck auf die Gewinnspannen wird stärker", beobachtet Analyst Mues. Wegen der schwachen Nachfrage können Chemiefirmen die Kosten für den wichtigsten Rohstoff kaum über Preiserhöhungen an den Markt weitergeben. Akzo-Chef Van Lede sieht kaum Anzeichen für Besserung: "Es ist unrealistisch anzunehmen, dass dieses Jahr einfacher wird als das vergangene."

Quelle: Handelsblatt

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