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15.04.2003

14:14 Uhr

Baukonzern ist zur Zeit nicht an den deutschen Wettbewerbern Züblin und Hochtief interessiert

Bilfinger lässt sich mit Buderus-Erlös Zeit

Bilfinger will den Erlös aus dem Verkauf des Buderus-Pakets in Amerika, Großbritannien, Osteuropa und Australien investieren. Deutsche Firmen wie Züblin oder Hochtief stehen zur Zeit nicht auf der Liste.

jkn MANNHEIM. Herbert Bodner, der Vorstandsvorsitzende des Baukonzerns Bilfinger Berger, gab sich entspannt. Man werde in Ruhe prüfen, wo die Mittel aus dem Verkauf des Buderus-Pakets investiert würden, machte er gestern in Mannheim deutlich. "Unsere hohen Ansprüche schränken den Kreis der Akquisitionskandidaten von vorneherein ein", bremste Bodner überzogene Erwartungen.

Damit ließ das Bilfinger-Management die wohl brennendste Frage vieler Analysten vorerst unbeantwortet: Was geschieht mit dem Buderus-Erlös? "Nach dem Kursschub im ersten Quartal erwarten wir vorerst eine Kursbewegung mit dem Gesamtmarkt, solange den Aktionären keine weiteren lukrativen Investitionsprojekte präsentiert werden", bleibt Erhard Schmitt von Helaba Trust zurückhaltend.

Bilfinger hatte vor gut einer Woche sein Buderus-Paket von rund 30 % für 551 Mill. Euro an die Stuttgarter Bosch-Gruppe verkauft. Aus der Transaktion entsteht ein außerordentlicher Ertrag von 230 Mill. Euro. Grundsätzlich will Bodner mit dem Geld die Sparte Dienstleistungen stärken. "Die USA, Großbritannien, Osteuropa und Australien sind die Suchfelder, auf die wir uns fokussieren", sagte er. Auch einen Sonderbonus an die Aktionäre schließt der Bilfinger-Chef nicht aus.

Kein Interesse hat er an einem Einstieg beim Wettbewerber Züblin. Walter Bau sucht einen Käufer für seine Beteiligung von 48,75 % an Züblin. Auch Spekulationen über einen Kauf von Hochtief erteilte Bodner eine Absage. "Wir schauen uns momentan einige Akquisitionskandidaten an. Hochtief ist nicht darunter", sagte er.

Analysten begrüßen die Konzentration auf die Dienstleistungen. "Mit der Diversifizierung hat sich Bilfinger ein stabilisierendes Ergebniselement eingekauft", urteilt Karin Brinkmann von HVB Equity Research. Bilfinger bietet nicht nur sehr baunahe Dienstleistungen wie etwa das Management von Gebäuden an, sondern auch die Instandhaltung kompletter Industrieanlagen. Das wirft höhere Margen als das klassische Baugeschäft ab.

Die kann Bilfinger gut gebrauchen, wie ein Blick in die Bilanz 2002 zeigt. So ist das Unternehmen in den zurückliegenden zwei Jahren nicht in der Lage gewesen, die Sachinvestitionen aus den flüssigen Mitteln des operativen Geschäftes zu finanzieren. Der freie Cash-flow, also das Geld, was aus dem operativen Geschäft nach Abzug der Sachinvestitionen übrig bleibt, hatte sowohl 2001 als 2002 ein negatives Vorzeichen.

Allerdings verbesserte sich der Wert 2002 von minus 60 Mill. auf minus 19,6 Mill. Euro. "Wir sind auf dem richtigen Weg", sagte Jürgen M. Schneider, Finanzvorstand von Bilfinger. Auch die von Bodner zur Messgröße erkorene Kapitalrendite zeigt, dass auf ihn noch viel Arbeit wartet. So erzielte der Konzern 2002 eine Rendite auf das eingesetzte Kapital von rund 8 %. In drei Jahren soll der Wert 11 % betragen.

Das Gewicht der Dienstleistungen zeigt sich auch im Ausblick. Laut Bodner soll das Ergebnis weiter wachsen. Die Bauleistung soll von 4,9 Mrd. auf 5,2 Mrd. Euro steigen. Auf die Dienstleistungen wird dabei mit 1,2 Mrd. Euro ein Anteil von rund 23 % entfallen. Beim operativen Ergebnis soll diese Sparte mit 40 Mill. Euro sogar mehr als die Hälfte des Konzernergebnisses beisteuern. "Wir planen betont konservativ im Baugeschäft und sehr aggressiv bei den Dienstleistungen", sagte der Bilfinger-Chef. Das in der Bauindustrie wenig aussagekräftige erste Quartal liegt nach Angaben von Bodner im Plan. So wuchs die Bauleistung um 21 % auf 1,15 Mrd. Euro.

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