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28.01.2003

07:50 Uhr

Bayer Leverkusen taumelt ratlos den Abstiegsplätzen entgegen

Treueschwüre für Toppmöller

Schon in der vorigen Woche hatte Reiner Calmund schlecht geschlafen. Gestern wachte er um 4.50 Uhr auf. "Da geht einem alles durch den Kopf", sagte der Manager von Bayer Leverkusen.

Klaus Toppmöller. Foto: dpa

Klaus Toppmöller. Foto: dpa

gd LEVERKUSEN. Spielszenen vom 0:3 seiner Mannschaft gegen Schlusslicht Energie Cottbus wie der Anfängerfehler von Torwart Hans-Jörg Butt erlebte Calmund noch einmal. Er dachte an die drohenden Folgen der sich zuspitzenden Krise: "Wenn wir diese Lähmung bis zum Schluss behalten, werden wir Tabellenletzter."

Auch das Gespräch mit Trainer Klaus Toppmöller nach dem erschreckenden Auftritt gegen die Lausitzer war präsent. Calmund berichtete von einem Dialog mit dem Fußballlehrer, in dem Toppmöller ihn fragte, ob er noch der "Richtige" sei. "Ja", habe er gesagt. Nach der sechsten Niederlage im zehnten Heimspiel und einem Abstand von nur drei Punkten zu den Abstiegsplätzen ist diese Aussage aber wohl mit dem Zusatz "noch" zu versehen.

Zahlreiche Fernsehteams hatten Leverkusen schon seit Wochen in der Planung stehen. Wegen der Tagung der Bundesliga-Trainer musste gestern nur wenig umdisponiert werden, als Calmund vor den Kameras zur Krise Stellung nahm. Vom Lindner-Hotel, in dem Toppmöller mit seinen Kollegen zu Mittag aß, mussten die TV-Crews nur 300 Meter zum Bayer-Pressesaal flitzen. Dort erklärte Calmund in diversen Variationen, was er schon am Vorabend von sich gegeben hatte. Die Lage sei ein "Desaster", eine "Katastrophe".

Doch Calmund nahm Toppmöller aus der Schusslinie. "Es ist unfair, dem Trainer etwas anzulasten. Wenn wichtige Spieler ausfallen, muss man ihm das zugute halten. Wir werden die Trainerfrage nicht diskutieren und auch keine Fristen setzen." Dennoch ist der Geduldsfaden gespannt. Dass die Hoffnungen auf eine Wende vom Tabellenletzten zerschlagen wurden, empfand Jung-Manager Ilja Kaenzig als "Horror-Szenario und Albtraum".

Bayers Sorgen sind immens. Nicht nur Calmund sieht den rapiden Verfall der Mannschaft, die vor acht Monaten an drei finalen Titelentscheidungen beteiligt war. Die Elf agierte gegen Cottbus kopflos und fußballerisch ärmlich. Beim Konter zum 0:2 wurde deutlich, dass Jens Nowotny, der erstmals seit seinem im April erlittenen Kreuzbandriss wieder mitwirkte, der Abwehr noch nicht die gewünschte Stabilität verleihen kann.

"Wir stecken mitten im Abstiegskampf", weiß Toppmöller, der vor wenigen Monaten noch zum "Trainer des Jahres" gekürt worden war. Jetzt wird an ihm gezweifelt. Und wie. In der vorigen Woche kommentierte er seine Spitzenstellung bei den Buchmachern als erster Entlassungskandidat der Liga gefasst: "Ich habe keine Angst vorm Rauswurf."

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