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02.03.2003

15:15 Uhr

Bayern stoppt Cottbus - Krisen in Bremen und Wolfsburg

Meyer tritt ab - Lienen folgt nach

Der ebenso überraschende wie stilvolle Abgang von Trainer Hans Meyer bei Borussia Mönchengladbach prägte den 23. Spieltag der Fußball-Bundesliga. Bereits 15 Stunden nach dem Rücktritt des 60 Jahre alten Fußball-Lehrers, der nach dem 2:2 gegen den FC Schalke 04 am Samstagabend die Konsequenzen aus den Querelen der vergangenen Wochen gezogen hatte, präsentierte die Borussia am Sonntag einen alten Bekannten als neuen Chefcoach.

HB/dpa DüSSELDORF. Ewald Lienen, als Profi insgesamt acht Jahre lang am Bökelberg aktiv, soll den Tabellen-16. vor dem Abstieg retten. "Wir sind alle der Meinung, dass die Mannschaft das Potenzial hat, die Klasse zu halten", sagte Lienen bei seinem Amtsantritt auf dem Bökelberg.

Der "Heimkehrer" erhielt einen Vertrag bis zum 30. Juni 2004 und freut sich auf die neue Aufgabe, die er eigentlich erst am 1. Juli in Angriff nehmen sollte. "Ich habe den Gesprächen mit Gladbach nur zugestimmt unter der Voraussetzung, dass es mit meinem Freud Meyer eine saubere Lösung gibt", betonte der 49-Jährige, der in der Bundesliga bereits den MSV Duisburg, Hansa Rostock und den 1. FC Köln betreute. Zuletzt stand Lienen beim spanischen Club CD Teneriffa unter Vertrag, wo er in diesem Januar entlassen worden war.

Die Liga wird Hans Meyer vermissen, der den niederrheinischen Club 2001 zurück ins Oberhaus führte. Der Fußball-Lehrer bewahrte sich trotz des harten Geschäfts stets seinen speziellen Humor. Zuletzt aber war das Verhältnis zwischen dem amtsmüde gewordenen Trainer und einem Großteil der Mannschaft gestört.

Der Rückzug Meyers stellte das sportliche Geschehen des Spieltags klar in den Schatten. Spitzenreiter Bayern München stoppte dank des "Doppelpacks" von Michael Ballack den Höhenflug des 2003 noch ungeschlagenen Teams von Energie Cottbus im Stadion der Freudschaft mit 2:0 und wahrte den Zehn-Punkte-Vorsprung auf Borussia Dortmund (43 Zähler). Die Bayern scheinen auf dem Weg zum 18. Titel nicht mehr aufzuhalten. "Wir werden nicht locker lassen, da wird uns keiner davon abringen", ließ Trainer Ottmar Hitzfeld keinen Zweifel an der Einstellung der Mannschaft aufkommen.

Titelverteidiger Dortmund kam nach den Festwochen mit den Champions-League-Spielen gegen Real Madrid und dem aufregenden Derby beim FC Schalke 04 zu einem wichtigen 2:0-Arbeitssieg gegen Hansa Rostock. "Schon in der kommenden Woche in Mönchengladbach werden wir wieder besseren Fußball zeigen", versprach BVB-Coach Matthias Sammer nach der mittelmäßigen Leistung.

Hinter dem Duo Bayern/BVB ließ die Konkurrenz erneut Federn. So konnte Schalke den zweimaligen Vorsprung in Gladbach nicht nutzen - die größte Durststrecke aber macht zurzeit Werder Bremen durch. Die Elf kassierte beim blamablen 0:3 in Leverkusen schon die fünfte Schlappe in Serie und löst die unter Trainer Thomas Hörster weiter im Aufwind befindliche Bayer-Elf als Krisenclub ab. Werder-Sportdirektor Klaus Allofs erteilte den Profis gar ein Interview-Verbot, stärkte Thomas Schaaf dagegen demonstrativ den Rücken: "Der Trainer steht nicht zur Diskussion." Das noch vor wenigen Tagen völlig verunsicherte Bayer-Team präsentiert sich plötzlich wieder als leidenschaftlich kämpfende Einheit. "Ich habe gar nichts unternommen. Das haben die Jungs allein hinbekommen", sagte Hörster.

Angespannt ist die Lage auch in Wolfsburg. Der Last-Minute-Treffer von Tomislav Maric zum 1:1 beim 1. FC Nürnberg rettete Wolfgang Wolf zumindest vorläufig den Job. Dennoch könnte er der vierte Coach in der laufenden Saison und der 267. in der Bundesliga-Historie sein, der seinen Vertrag nicht bis zum Ende erfüllt. "Es gibt keine Grabenkämpfe zwischen mir und der Mannschaft", versicherte Wolf, dessen Elf aber weit hinter den Vorgaben hinterher hinkt.

Während Hannover 96 mit dem fünften Auswärts-"Dreier", der trotz der vermeintlich komfortablen 2:0-Halbzeitführung durch den Sturmlauf des VfL Bochum im zweiten Durchgang noch in Gefahr geriet, laut Trainer Ralf Rangnick einen "extrem wichtigen Sieg" landete, gab es im Münchner Olympiastadion gleich zwei Verlierer. Die trostlose Nullnummer zwischen dem TSV 1860 und dem 1. FC Kaiserslautern bringt weder die "Löwen" noch die "Teufel" nach vorn. "Wir hätten drei Punkte gebraucht", gab FCK-Coach Erik Gerets zu. Sein Kollege Peter Pacult, dessen Team am 2. November 2002 zum bisher letzten Mal zu Hause gewann, behauptete dennoch: "Wir haben eine Super-Position."

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