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07.06.2000

16:28 Uhr

Beamte durchsuchten Interbrew und Alken-Maes

EU-Kommission will Bierkartellen in Europa den Hahn abdrehen

EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti will in wenigen Wochen beginnen, eine Reihe von Kartellen europäischer Bierbrauer trocken zu legen. Den Anfang soll Belgien machen, wo sich der größte belgische Bierkonzern Interbrew und die Nummer Zwei Alken-Maes den Markt unter sich aufgeteilt hätten.

vwd BRÜSSEL. EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti will in wenigen Wochen beginnen, eine Reihe von Kartellen europäischer Bierbrauer trocken zu legen. Den Anfang soll Belgien machen, wo sich der größte belgische Bierkonzern Interbrew und die Nummer Zwei Alken-Maes den Markt unter sich aufgeteilt hätten. Aus der Umgebung Montis hieß es am Mittwoch, dass die Kommission vor August ein förmliches Verfahren gegen die beiden Brauereien einleiten wolle. Die Indizien dürften ausreichend sein, um ihnen einen Verstoß gegen die EU-Wettbewerbsbestimmungen nachzuweisen, wie es hieß. EU-Beamte hatten im Juli Interbrew und im Oktober Alken-Maes durchsucht.

Dabei stellten sie umfangreiches Material sicher, das nahelege, dass sich die Unternehmen bei Preisen und Rabatten abgesprochen sowie vertrauliche Informationen ausgetauscht haben. Außerdem sollen die Unternehmen ihre marktbeherrschende Stellung ausgenutzt haben. Die Kommission ist außerdem anderen mutmaßlichen Bierkartellen in Europa auf der Spur: Ende Januar führte sie in Frankreich eine Razzia bei Kronenbourg, Heineken und Danone durch, weil sie auch auf dem französischen Biermarkt Preisabsprachen vermutete. Mitte März waren dann die Heineken-Hauptniederlassung in Amsterdam sowie Brauereien in den Niederlanden und Italien an der Reihe.

Die Kommission vermutet zwischen den Zentralen bzw. jeweiligen Niederlassungen in den verschiedenen Ländern grenzüberschreitende Absprachen. Zwischen Heineken und Carlsberg beispielsweise soll es ein "Gentlemens Agreement" gegeben haben, den jeweiligen Heimatmarkt nicht anzugreifen, hieß es in Montis Umgebung. Bei den anstehenden Kartellverfahren soll allerdings jeder Markt separat betrachtet und die Unternehmen getrennt verfolgt werden. Sollten sich die Vorwürfe der Kommission als berechtigt herausstellen, drohen den Bierbrauern empfindliche Geldbußen. Deutschland scheint vom EU-Vorgehen gegen Bierkartelle nicht gefährdet, weil der Markt stark zersplittert ist.

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