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25.02.2003

15:03 Uhr

Beckenbauer erwartet keine Strafe

Hoeneß gibt „kleinen Verstoß“ zu

Ein gereizter Uli Hoeneß gab erstmals einen "kleinen Verstoß" zu, Franz Beckenbauer kann sich eine Strafe für den FC Bayern München nicht vorstellen und ein Fragen-Katalog soll in der Affäre um den "Geheimvertrag" mit der Kirch-Gruppe für Aufklärung sorgen. "Warum sollen wir bestraft werden?", sagte der "Kaiser" zu den möglichen Sanktionen gegen den Bundesliga-Tabellenführer: "Ich wüsste nicht, in welcher Form eine Strafe kommen sollte."

HB/dpa MÜNCHEN/INGOLSTADT. Manager Hoeneß wehrte sich im Bayerischen Fernsehen mit drastischer Wortwahl gegen Bayern-Kritiker, räumte aber im Zusammenhang mit der viel gescholtenen Geheimhaltung einen Fehler ein.

Das Stillschweigen sei das "gute Recht" des Vertragspartners, man habe die Einnahmen beim Lizenzierungsverfahren angegeben und voll versteuert. "Insofern sehe ich zwar einen kleinen Verstoß, aber das ist für mich eine Lappalie", erklärte der Manager, der am Montagabend zusammen mit Beckenbauer und Bayerns AG-Chef Karl-Heinz Rummenigge zu Gast bei Sponsor Audi in Ingolstadt war, bei einer TV-Schaltung in die Sendung "Blickpunkt Sport".

Trotz diverser Attacken in Richtung ihrer Kritiker fühlen sich die Bayern, die durch den inzwischen aufgelösten Kirch-Vertrag 21,47 Mill. ? von dem Medienunternehmen erhalten hatten, nach wie vor im Recht. "Wir haben niemanden beschwindelt und uns keinen Vorteil erschlichen", sagte Beckenbauer, der die Aufregung über die Bayern dennoch nachvollziehen kann. "Im Moment gibt jeder seinen Senf dazu", meinte er. "Dass es Erstaunen hervorruft, ist verständlich."

Hoeneß reagierte im TV-Interview besonders gereizt auf Äußerungen des Wirtschaftsjuristen Reinhard Rauball, der am Wochenende mögliche Sanktionen gegen die Bayern bis hin zum Lizenzentzug erwähnt hatte. "Dr. Rauball ist einer der größten Wichtigtuer, die es in dem Geschäft gibt. Der ist total out aus dem Geschäft und versucht sich auf dem Rücken von Bayern München wieder zu profilieren. Und das nehme ich nicht ernst", ereiferte sich Hoeneß über den ehemaligen Präsidenten von Borussia Dortmund.

Im seit Ende der Vorwoche angelaufenen Prüfungsverfahren durch die Deutsche Fußball-Liga (DFL) soll demnächst laut Hoeneß ein Fragenkatalog für Aufklärung sorgen. "Dieser wird uns in den nächsten zehn bis 14 Tagen zugehen. Wir werden diesen Fragenkatalog dann zusammen mit unseren Anwälten beantworten. Und dann sehen wir, was dabei heraus kommt", beschrieb er das weitere Prozedere. Derzeit handle es sich um ein schwebendes Verfahren.

Gerhard Mayer-Vorfelder, der Präsident des Deutschen Fußball- Bundes (DFB), will außerdem die Hintergründe der damaligen TV-Verhandlungen der Liga prüfen. "Ich habe die DFL gebeten, einen Zeitablauf der damaligen TV-Verhandlungen zu erstellen. Dann weiß ich, ob etwas hinter meinem Rücken geschehen ist", sagte er im "Bild"-Interview.

Sorgen um das langfristige Image des Clubs macht Hoeneß sich nicht. Zwar habe sich die öffentliche Meinung auf Grund der Berichterstattung teilweise gegen Bayern gewandt. "Aber wenn sich die DFL damit beschäftigt hat und der Fall erledigt ist, wird sich das meiner Meinung nach schnell wieder ändern." Nachdem sich am Vortag auch die Politik in Form von SPD-Kritik an Ministerpräsident Edmund Stoiber eingeschaltet hatte, verteidigte Hoeneß den Vorsitzenden des FCB-Verwaltungsbeirats. "Er hat davon nichts gewusst. Es ist völlig unüblich, dem Beirat einzelne Verträge vorzulegen", erklärte Hoeneß.

Unterdessen versicherte Werner Hackmann, der Präsident des Ligaverbandes, dass die Bayern nicht anders behandelt werden als andere Clubs: "Für die Geschäftsführung der DFL sind alle 36 Vereine gleich." Reiner Calmund, der Manager von Bayer Leverkusen, monierte zwar, dass die Bayern "ein Stück vom Kuchen an den anderen vorbeigeschleppt haben", verteidigte die Münchner Verantwortlichen aber auch: Leute wie Hoeneß oder der vor knapp drei Jahren in Sachen Nationalmannschaft engagierte Rummenigge "haben nicht verdient, so in den Dreck gezogen zu werden", sagte Calmund in der ARD. "Ich sage ganz ehrlich, ich weiß auch nicht, ob ich den Scheck direkt in den Reißwolf getan hätte."

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