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06.02.2002

12:49 Uhr

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Bedeutung der Netzkampagne ist umstritten

VonJörg Schäfer

Im Wahlkampf ist das Fernsehen zwar nach wie vor das wichtigste Medium. Doch alle Parteien setzen mittlerweile verstärkt auf das Netz, um ihre Botschaften zu verbreiten. Lassen sich so Wechselwähler gewinnen?

DÜSSELDORF. Unumstritten demonstriert eine Onlinekampagne Modernität. Deswegen ist jede Partei im Netz vertreten. Sie bauen Diskussionforen auf. Spitzenpolitiker finden sich zum Chat ein. Die Parteien informieren ihre Mitglieder, stellen Material zum Herunterladen bereit. Die CDU reagiert sogar in Echtzeit auf Fernsehäußerungen von Politikern anderer Parteien.

Ob sich durch Onlinekampagnen auch Unentschlossene mobilisieren oder Wechselwähler gewinnen lassen, ist umstritten. Matthias Jung, Geschäftsführer der Forschungsgruppe Wahlen in Mainz, zählt zu den Skeptikern: "Wer auf die Internetseite einer Partei geht, hat ohnehin schon Interesse bekundet." Das Netz erfordere eine Aktion, anders als das Fernsehen, mit dem Parteien politisch Uninteressierte eher erreichen könnten. Auch auf Wechselwähler habe das Internet keinen großen Einfluss, glaubt Jung. Internetnutzer verfügten über ein relativ hohes Bildungsniveau, Wechselwähler jedoch in jüngster Zeit nicht mehr. Daher ließe sich diese Klientel über das Netz kaum gewinnen.

Das sieht Hans-Jürgen Hoffmann, Geschäftsführer des Wahlforschungsinstituts Psephos in Bonn, anders: "Die Bedeutung des Internets ist groß, um Leute anzusprechen, die man sonst nicht erreicht." Hoffmann erkennt im Internet erhebliches Potenzial, um Wechselwähler zu gewinnen. Vor allem spiele das Netz eine wichtige Rolle, um alte Stammwähler zu mobilisieren und die Unterstützung in der eigenen Partei für Kampagnen effektiver zu organisieren.

Allerdings machen die Parteien dabei viele Fehler, urteilt Wahlforscher Karl-Rudolf Korte von der Universität Duisburg. "Die Angebote werden zu oft verändert", sagt er, "viele Nutzer sind überfordert, sie brauchen verlässliche und wiedererkennbare Informationen." Der Duisburger Politikwissenschaftler hält das Internet ebenfalls für weniger geeignet, um Wechselwähler zu gewinnen. "Wechselwähler haben wenig Zeit, gehen nicht auf Veranstaltungen, ziehen sich keine Informationen aus dem Netz, sondern gucken Fernsehen."

Die kleinen Parteien haben im Internet ohnehin einen Heimvorteil. Die Forschungsgruppe Wahlen fragt für das ZDF-Politbarometer regelmäßig nach der Parteipräferenz der Internetsurfer. Da schneidet die Union schlecht ab, die Anhänger von den Grünen und der FDP sind dagegen überdurchschnittlich häufig im Netz zu Hause.

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