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28.01.2003

13:07 Uhr

Beerdigung am 4. Februar

Friedenspreis-Trägerin Schimmel gestorben

Die Islamwissenschaftlerin und Trägerin des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels, Annemarie Schimmel, ist tot. Sie starb am späten Sonntagabend im Alter von 80 Jahren in einer Bonner Klinik, wie die Universität Bonn am Dienstag bestätigte.

Annemarie Schimmel ist tot. Foto: dpa

Annemarie Schimmel ist tot. Foto: dpa

HB/dpa BONN. Die Beerdigung Schimmels ist für nächsten Dienstag (4. Februar) in Bonn vorgesehen. Die auch in der islamischen Welt sehr geschätzte Wissenschaftlerin war nicht unumstritten. Wegen negativer Äußerungen über den Schriftsteller Salman Rushdie wurde sie im Westen sehr kritisiert.

Schimmel lebte zuletzt im Ruhestand in Bonn, wo sie am Orientalischen Seminar auch zuletzt gelehrt hatte. Nach einem Sturz musste sie Anfang des Jahres in die Klinik und operiert werden. Dabei kam es zu Komplikationen.

Schimmel, am 7. April 1922 in Erfurt geboren, lehrte unter anderem in Ankara, Bonn, Harvard, New York und London. Die Spezialistin für islamische Mystik sprach unter anderem Arabisch und Persisch.

Sie veröffentlichte unzählige Bücher und Beiträge zur islamischen Kultur. Viele ihrer Arbeiten wurden auch in Arabisch, Englisch und Türkisch veröffentlicht. Für ihr Werk erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen. Lange Zeit lebte sie in Pakistan, wo in der Stadt Lahore auch eine Straße nach ihr benannt ist.

Von Moslems erhielt Schimmel viel Anerkennung für ihr tiefes Verständnis und die Vermittlung des Islam. Der Zentralrat der Muslime in Deutschland, in dessen Beirat Schimmel viele Jahre saß, erklärte in einer Würdigung, sie habe "Brücken zwischen der Welt des Islam und der westlichen Welt geschlagen". "Es dürfte kein Land geben, in dem ihr Ableben nicht zutiefst bedauert wird."

Die Autorin bekam im Mai 1995 vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels den Friedenspreis für ihr Lebenswerk zuerkannt. Der Verein wollte ein Zeichen für Toleranz setzen. Die Entscheidung wurde zunächst allgemein begrüßt, dann aber geriet Schimmel wegen eines Interviews ins Kreuzfeuer öffentlicher Kritik.

Sie hatte dem Schriftsteller Salman Rushdie, über den Irans Revolutionsführer Ayatollah Khomeini 1988 ein Todesurteil verhängt hatte, vorgeworfen, mit seinem Roman "Die Satanischen Verse" auf eine "sehr üble Art die Gefühle einer großen Menge von Gläubigen" verletzt zu haben. Später entschuldigte sich Schimmel und betonte, sie sei keine Fundamentalistin und unpolitisch im Sinne der Tagespolitik.

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