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16.01.2001

09:43 Uhr

Befragung über früheren Bekannten Klein

Fischer beginnt Zeugenaussage im Opec-Prozess

Außenminister Joschka Fischer (Grüne) hat heute vor dem Frankfurter Landgericht mit seiner Zeugenaussage im Opec-Prozess begonnen. Zu seiner militanten Vergangenheit in der Frankfurter Hausbesetzer-Szene soll er nach Angaben der Staatsanwaltschaft aber nur mit Blick auf den Angeklagten Hans-Joachim Klein befragt werden.

Reuters FRANKFURT. Das Gericht erhoffe sich von Fischer Aussagen zur Person seines früheren Bekannten Klein, dem gemeinschaftlicher Mord beim Überfall auf die Opec-Konferenz in Wien 1975 vorgeworfen wird. Weitergehende Fragen zu Fischers Vergangenheit werde das Gericht möglicherweise nicht zulassen, erklärte die Staatsanwaltschaft. Fischer sagte kurz vor seiner Aussage, er sei "gut vorbereitet" auf die Fragen.

Er hatte mit Blick auf den Prozess Gewalt gegen Polizisten zugegeben und sich dafür entschuldigt. Klein soll 1975 am Überfall auf die Konferenz der Erdöl-exportierenden Staaten (OPEC) in Wien beteiligt gewesen sein, bei dem drei Menschen getötet wurden. Er bestreitet, dabei geschossen zu haben. Der heute 52-Jährige hatte sich später vom Terrorismus losgesagt und mehr als 20 Jahre in Frankreich versteckt gelebt. 1998 nahmen ihn deutsche Zielfahnder fest. Er hat Fischer als "Freund" bezeichnet, dieser bezeichnete das Verhältnis dagegen als wenig eng.

Unterdessen übte der Sohn des 1977 von RAF-Terroristen ermordeten damaligen Arbeitgeberpräsidenten Hanns-Martin Schleyer Kritik daran, dass Fischer die Bundesrepublik repräsentiere. "Ich habe damit große Schwierigkeiten", sagte der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), Hanns-Eberhard Schleyer, der "Saarbrücker Zeitung". "Die Selbstgerechtigkeit, die noch heute bei ihm zu spüren ist und mit der er die damalige Situation zu erklären versucht, stört mich ungeheuer." Auch die Sympathisanten der Gewaltszene seien "in gewisser Weise mitschuldig für das, was sich in den 70er Jahren in dieser Republik zugetragen hat". Fischer müsse weniger selbstgerecht auftreten und stärker persönliche Verantwortung übernehmen. Mit einer Rücktrittsforderung tue er sich aber schwer, sagte Schleyer. SPD-Generalsekretär Franz Müntefering stellte sich in einem Interview der Tageszeitung "B.Z." hinter Fischer. Dessen Gegner fehlten offenbar Argumente gegen Fischers Politik, jetzt versuchten sie es "mit diesen alten Geschichten".

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