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31.03.2003

14:45 Uhr

Befürchtungen der Weltgesundheitsorganisation

SARS möglicherweise ansteckender als Ebola

Das Virus, das die lebensgefährliche Lungenentzündung SARS verursacht, ist nach Ansicht der Weltgesundheitsorganisation WHO möglicherweise ansteckender als das in Afrika auftretende Ebola-Virus.

Reuters MANILA/HONGKONG. Das Bekanntwerden von fast 100 Neuinfektionen allein in einem Wohnkomplex in Honkong führte am Montag zu Befürchtungen, das Virus werde durch die Luft oder die Wasserversorgung übertragen. Bislang vermuten Mediziner eine Übertragung in Tröpfchenform bei Husten oder Schnupfen. Das Hamburger Tropeninstitut geht trotz der weltweit steigenden Zahl von SARS-Fällen nicht von einer Epidemiegefahr aus. Sorgen, das Virus könne über die Luft übertragen werden, seien unbegründet. Die Zahl der gemeldeten SARS-Toten stieg weltweit auf 59.

Die WHO ist nach den Worten ihres Asien-Beraters, Hitoshi Oshitani, kurz davor, das Virus zu identifizieren. "Wir können den Verursacher in wenigen Tagen identifizieren, aber wir sind nicht sicher, in solch einer kurzen Zeit ein Heilmittel entwickeln zu können", sagte Oshitani. "Die Erbgutdaten des Virus zeigen, dass das Virus möglicherweise von einem Tier stammt." Das tödliche Ebola-Virus sprang von Affen auf den Menschen über. Oshitani fügte hinzu: "Zu diesem Zeitpunkt vermuten wir, dass es infektiöser ist, als eine Krankheit wie Ebola." Sollte das Virus tatsächlich von einem Tier stammen, sei es für die Experten allerdings einfacher, ein Gegenmittel zu finden. Gegen die vor einigen Wochen in Südchina ausgebrochene Erkrankung gibt es bisher kein wirksames Mittel.

Wohnblock abgeriegelt

Die Behörden von Hongkong zählten 92 neue Infektionsfälle in dem Wohnkomplex Amoy Gardens. Damit stieg die Zahl der Erkrankten allein in der chinesischen Sonderverwaltungszone auf mehr als 620. Der Wohnblock E mit mehr als 200 Bewohnern wurde unter Quarantäne gestellt. Allein 210 der 620 in Hongkong an dem Schweren Akuten Respirationssyndrom (SARS) leidenden Menschen leben in Amoy Gardens, allein 150 von ihnen in Block E.

"Wir prüfen nun alle Möglichkeiten, um festzustellen, ob es (das Virus) über die Luft oder die Wasserversorgung verbreitet wird", sagte eine Regierungssprecherin. Mitarbeiter der Gesundheitsbehörde in Schutzanzügen und Polizisten mit Schutzmasken riegelten den Block ab. Die Bewohner seien für zehn Tage unter Quarantäne, teilten die Behörden mit. Alle, die Symptome wie Schüttelfrost, hohes Fieber und Atemnot zeigten, kämen in Krankenhäuser.

Allerdings hatten bereits vor der Quarantäne-Anordnung einige der 154 Familien des Wohnkomplexes das Gebäude verlassen. Gesundheitsminister Yeoh Eng Kiong rief diese auf, sich umgehend zu melden. "Jede infizierte Person birgt das Potenzial, einen weiteren großen Ausbruch (der Krankheit) wie in Amoy Gardens zu verursachen." 13 Menschen sind in Hongkong an SARS gestorben. Mehr als 1200 Menschen befinden sich dort unter Quarantäne.

Seuchenartige Ausbreitung zu beobachten

Verglichen etwa mit der Influenza sei bei SARS keine seuchenartige Ausbreitung zu beobachten, sagte der Direktor des Hamburger Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin, Bernhard Fleischer, der Nachrichtenagentur Reuters. "Man holt es sich eben nicht auf der Straße, sondern durch direkten Kontakt mit Erkrankten. Das lässt einen hoffen, dass das Ganze kontrollierbar ist." Man müsse offenbar sogar engen Kontakt mit Erkrankten haben, bevor man sich mit SARS infizieren könne. "Das ist immer gut, weil man die Leute isolieren kann."

In Singapur schickten die Behörden Krankenschwestern zum Flughafen, um Reisende zu untersuchen. Dort sind drei der 91 SARS-Infizierten gestorben. 945 Menschen sind unter Quarantäne. Reisende haben das SARS-Virus in den vergangenen Wochen nach Hongkong, Kanada (37 Fälle), Singapur und Vietnam (62) getragen, nachdem es erstmals in Südchina aufgetreten war. In Vietnam starben vier Menschen an SARS. Besonders betroffen sind auch die USA (59 Fälle) und Taiwan (37). Einzelne Fälle gab es auch in Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien, Rumänien, Irland, Schweiz, Australien, Japan, Taiwan und Thailand.

In Kanada starb ein SARS-Patient am Freitag in Toronto, wie der Gesundheitsbeauftragte für die Provinz Ontario am Sonntag mitteilte. In Ontario gibt es bisher mehr als 100 Verdachtsfälle. Die Provinz hat den Notstand ausgerufen. Mehrere tausend Menschen befinden sich in Quarantäne, der Zugang zu den Krankenhäusern wurde eingeschränkt.

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