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15.01.2001

07:12 Uhr

Behörden rechnen mit weitern Opfern

Fast 400 Tote bei Erdbeben in Mittelamerika

Einen Tag nach dem Erdbeben in Mittelamerika ist die Zahl der Todesopfer in El Salvador und Guatemala am Sontag nach offiziellen Angaben auf annähernd 400 gestiegen.

Reuters SAN SALVADOR. Allein in El Salvador, das am stärksten betroffen war, würden zudem mindestens 1200 Menschen vermisst, sagte der Botschafter von El Salvador in Mexiko, Eduardo Caliz. Mehrere Länder, darunter Deutschland und die Schweiz, entsandten Suchteams und Hilfsgüter in das betroffene Gebiet. Das Beben der Stärke 7,6 auf der Richterskala am Samstag war bis nach Mexiko, Nicaragua und Honduras zu spüren gewesen. Am Sonntag wurde die Region von zahlreichen Nachbeben erschüttert.

"Wir glauben, dass wir das wahre Ausmaß des Desasters noch gar nicht kennen", sagte Caliz im mexikanischen Rundfunk. Der Präsident von El Salvador, Francisco Flores, gab die Zahl der Toten mit 381 an. Zudem seien 779 Menschen verletzt worden. Da damit gerechnet werde, dass die Zahl der Toten weiter zunehme, seien vorsorglich 3000 Särge aus Kolumbien angefordert worden. Rund 1300 Menschen, die ihr Obdach verloren hätten, seien in Notunterkünften untergebracht worden, sagte der Sprecher des Katastrophenschutz-Komitees, Mauricio Ferrer. Über Sachschäden konnten noch keine Angaben gemacht werden.

Die Behörden in Guatemala bestätigten sechs Tote. Auch sie rechneten mit weiteren Opfern.

In El Salvador waren die meisten Opfer in Santa Tecla, einem Vorort der Hauptstadt San Salvador, zu beklagen. Dort war ein Hang abgerutscht und hatte rund 500 Häuser verschüttet. Allein in Santa Tecla würden rund 800 Menschen vermisst, sagte ein Polizeisprecher. Hunderte Hilfskräfte versuchten, mit schwerem Gerät Erdreich, umgeknickte Bäume und Trümmer der zerstörten Häuser abzutragen. "Seien wir ehrlich. Ich habe keine Hoffnung mehr, ihn lebend zu finden", sagte ein Mann, der in den Trümmern seines Hauses nach seinem 10-jährigen Sohn suchte. In Comasagua in der Provinz La Libertad wurden nach Angaben von Rettungskräften bis zu 70 Menschen noch unter den Trümmern ihrer Häuser vermutet.

Flores rief den Notstand aus und bat um internationale Hilfe. Er appellierte an die Bevölkerung, Ruhe zu bewahren. Bis zu 500 zum Teil schwere Nachbeben hatten Panik unter den Menschen verursacht.

Das Epizentrum des Bebens lag nach Angaben von Geologen 105 Kilometer südöstlich von San Salvador vor der Pazifik-Küste. Wegen des Bebens wurden landesweit Stromleitungen unterbrochen. Der internationale Flughafen musste geschlossen werden, was die Versorgung mit Hilfsgütern behinderte.

Das Auswärtige Amt schickt nach eigenen Angaben zunächst 15 Experten des Technischen Hilfswerks in das Katastrophengebiet. Die Helfer würden am Sonntagabend gemeinsam mit einem französischen Team von Paris aus abfliegen, sagte eine Sprecherin in Berlin. Die Helfer hätten Suchhunde, Ortungsgeräte und eine Wasseraufbereitungsanlage dabei. Außenminister Joschka Fischer hatte El Salvador zuvor jede erdenkliche Hilfe angeboten. Bundespräsident Johannes Rau sprach Flores sein Mitgefühl aus.

Die Schweizer Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) stellte 100 000 $ (205 000 DM) Soforthilfe zur Verfügung. Hilfe wurde unter anderem auch von den USA, Spanien und Taiwan angekündigt.

Bei einem Erdbeben in San Salvador waren am 10. Oktober 1986 etwa 1500 Menschen getötet und 20 000 verletzt worden. Etwa 300 000 Personen wurden obdachlos. Das Beben erreichte eine Stärke von 7,5 auf der Richterskala.

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