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30.01.2003

10:37 Uhr

Bei Ausrüstungsinvestitionen hat "Mieten" schon höheren Stellenwert als der klassische Bankkredit

Leasing erweitert Spielraum

VonJens Koenen

Angesichts der restriktiven Kreditpolitik der Banken gewinnt Leasing im Mittelstand an Bedeutung. Das "Mieten" erhöht den finanziellen Spielraum der Firmen. Doch es lauern auch diverse Risiken.

HB FRANKFURT/MAIN. Millionen privater Haushalte machen es vor. Längst verfahren sie nach dem Motto "Mieten statt Kaufen". Ob Auto, Hifi-Anlage oder Waschmaschine - ist die Kasse knapp, wird über das Leasing finanziert. Was für private Haushalte gilt, trifft immer stärker auch auf die Wirtschaft zu. Leasing gewinnt als Alternative zum klassischen Bankkredit an Bedeutung.

"Aus finanzstrategischer Sicht ist Leasing meiner Meinung nach die erste Wahl, wenn es um alternative Finanzierungsmöglichkeiten geht", sagt Helmut Rödl, Hauptgeschäftsführer des Verbands der Vereine Creditreform. Das "Mieten" besticht durch mehrere Vorteile. Es schont die Liquidität, da die Investition in Ausrüstung weder das Eigenkapital noch die Kreditlinie belastet.

Dadurch verbessern sich die Bilanzrelationen, was wiederum positive Auswirkungen auf die Refinanzierung des Unternehmens haben kann. "Das sind zwar eher optische Effekte, die aber durchaus zum Tragen kommen können", sagt Hans Lampert, Finanzvorstand des Karlsruher Maschinen- und Anlagenbauers IWKA AG.

Vor allem ist Leasing aber unbürokratisch und leicht zu handhaben. Diese Vorteile machen sich viele Firmen bereits seit geraumer Zeit etwa bei der Finanzierung von Immobilien, der Fahrzeugflotte oder auch der IT-Infrastruktur zu Nutze. "Wir nutzen Leasing mit gutem Erfolg etwa bei unserer Fahrzeugflotte und selektiv auch bei größeren Maschineninvestitionen", sagt IWKA-Finanzvorstand Lampert.

Mittelstand setzt immer mehr auf Leasing

Welche Bedeutung das "Mieten" in diesem Bereich bereits hat, dokumentieren die Zahlen des Bundesverbandes Deutscher Leasing-Unternehmen (BDL). Danach erreicht das Leasing etwa bei den Ausrüstungsinvestitionen mit einem Anteil von über 50 % mittlerweile einen höheren Stellenwert als der Bankkredit. Dabei wendet sich nach Ansicht von BDL-Präsident Horst-Günther Schulz insbesondere der Mittelstand immer stärker diesem Finanzierungsweg zu.

Mittlerweile erobert das Leasing völlig neue Felder. Angesichts der immer schwieriger werdenden Fremdfinanzierung über den klassischen Bank- oder den Betriebsmittelkredit entdecken immer mehr Unternehmen das "Mieten" als Instrument für eine Absatzfinanzierung.

"Leasing hat eine zunehmende Bedeutung bei uns", bestätigt Hans-Joachim Holstein, geschäftsführender Gesellschafter der Hermle + Partner Vertriebs GmbH. Die mehrheitliche Tochter der Hermle AG aus Gosheim wickelt für den Werkzeugmaschinenspezialisten die Leasinggeschäfte ab.

Manche Leasinggeber geht auch mit ins Risiko

Hermle fördert mit der Finanzierungsalternative ganz gezielt den eigenen Absatz. Ein großer Teil der Aufträge wird über Leasing finanziert. Holstein nennt ein Beispiel: Ein mittelständischer Betrieb bestellt eine Werkzeugmaschine im Wert von rund 200 000 Euro. Die Finanzierung läuft über Leasingpartner - Hermle arbeitet mit zwei festen Leasingfirmen zusammen, die die Werkzeugmaschinenbranche gut kennen. "Ist die Bilanz des Kunden in Ordnung, läuft das Geschäft alleine zwischen Auftraggeber und Leasingpartner, wir sind außen vor", berichtet Holstein.

Etwas komplizierter wird die Sache, wenn es um einen Kunden mit einer angespannten Bilanz geht. Dann kommt Hermle ins Spiel. Die Experten des Unternehmens beurteilen die Aussichten des Kunden und springen gegebenenfalls auch selber bei der Finanzierung ein. "Wenn wir glauben, der Kunde hat Chancen auf lukrative Aufträge, gehen wir zuweilen auch ins Risiko", sagt Holstein.

"Die Leasinginstrumente sind mittlerweile sehr flexibel geworden", sagt Rödl von Creditreform. Allerdings lauern beim Einsatz des Leasing auch Gefahren. Zwar verkürzt und verbessert das "Mieten" wichtige Bilanzkennzahlen. Gleichzeitig belastet es aber auf Seiten der Leasingnehmer das operative Ergebnis eines Unternehmens, da die Leasingraten bilanziell verarbeitet werden müssen.

Leasing in der Absatzfinanzierung birgt Risiken

Zusätzliche Probleme wird die ab 2005 für viele Unternehmen bindende Umstellung ihrer Rechnungslegung auf IAS-Standards mit sich bringen. "Nach IAS taucht Leasing nur dann nicht in der Bilanz auf, wenn der wirtschaftliche Nutzen nicht völlig auf den Leasingnehmer übergeht, es sich also eher um ein klassisches Mietverhältnis handelt", macht IWKA-Finanzvorstand Lampert deutlich.

Wird Leasing bei der Absatzfinanzierung eingesetzt, müssen zudem die Risiken bedacht werden, die etwa im Fall einer Insolvenz eines Kunden drohen. "Sie müssen eine richtige kleine Kreditabteilung aufbauen", sagt Lampert. Vor allem der Modus einer Rückabwicklung von Lieferungen sollte vorab geregelt werden. Das setzt dem Leasing als Mittel einer Verkaufsförderung zuweilen Grenzen. Können Hersteller von Serienmaschinen diese im Fall einer Rücknahme an andere Kunden weiterverkaufen, ist das bei speziell gefertigten Auftragsmaschinen kaum möglich.

Nach Ansicht von Experten überwiegen allerdings die Vorteile des Leasings. "Gerade für Firmen mit einem Umsatz von zehn bis 15 Mill. Euro ist Leasing eine gute Alternative zur klassischen Fremdfinanzierung", sagt Creditreform-Geschäftsführer Rödl. Ein Wermutstropfen sind allerdings Pläne der Bundesregierung, die Raten des Leasingnehmers mit einer Steuerpflicht zu belegen. "Damit würde die Politik eine der letzten wichtigen Finanzierungsmöglichkeiten des Mittelstandes abschneiden", sagt Rödl.

Quelle: Handelsblatt

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