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07.01.2003

08:15 Uhr

Bei den Aktienhändlern rückt das Börsenthema „private Vorsorge“ in diesem Jahr stärker in den Blick

MLP-Aktie geht mit Kavalierstart ins neue Jahr

VonPeter Köhler

Einen turbulenten Start ins neue Börsenjahr erlebte die MLP-Aktie. Die Titel des Heidelberger Finanzdienstleisters schossen binnen einer Woche raketengleich um rund 30 % nach oben. Am Montag kam dann mit einem Minus von rund 3 % wieder Ernüchterung auf. In den ersten Börsentagen dominierte erst einmal die Käuferseite, bevor an den "Heiligen Drei Königen" wieder Gewinnmitnahmen spürbar wurden.

FRANKFURT/M. Händler verwiesen zur Erklärung für die kurze Kursrally Anfang Januar auf "vorsichtige Rückkäufe inländischer Anleger". Dabei spielten die Versicherungsgesellschaften eine wichtige Rolle. "Die Aktienquote der Versicherer ist stark nach unten gegangen. Jetzt greifen sie vor allem bei den Aktien zu, die im vergangenen Jahr zu den Verlierern zählten", meint etwa Hartmut Höhn, Analyst bei der Berenberg Bank. Auch die eine oder andere Fondsgesellschaft soll bei MLP zaghaft gekauft haben, obwohl die Fondsmanager ansonsten die Finanzdienstleister lieber über die seriöser wirkende Aktie der Deutschen Börse AG abdecken.

MLP hat im vergangenen Jahr aber nicht nur mit Kursverlusten auf sich aufmerksam gemacht, sondern die Nerven der Anleger in besonderer Weise strapaziert. Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wegen angeblicher Bilanzmanipulationen sowie der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BAFin) wegen Insiderhandels ließen die Aktie um fast 90 % abstürzen. Mehrfach war die "Skandalnudel" im Deutschen Aktienindex vom Abstieg aus dem Dax bedroht, zeitweise wehrte sich das Unternehmen fast wöchentlich mit einstweiligen Verfügungen gegen Magazinberichte.

Doch Ende 2002 gab es auch Hoffnungsschimmer für die MLP-Anleger. Mit Uwe Schroeder-Wildberg, der von Cortal-Consors herübergewechselt, bekommt das Unternehmen erstmals in seiner Firmengeschichte einen Finanzvorstand. Der 37 Jahre alte Betriebswirtschaftler hat das Ressort zum 1. Januar 2003 übernommen, und Analysten äußerten sich über die Personalie weitgehend positiv. Und außerdem floss den Heidelbergern noch in 2002 der komplette Erlös von 85 Mill. Euro aus dem Verkauf eines Joint-Ventures, einer Lebensversicherung in Österreich, zu. Das hat die Liquiditätslage deutlich verbessert. Das Gewinnziel vor Steuern von 100 Mill. Euro für 2002 dürfte so locker zu erreichen sein.

Aber, das ist jetzt "history", an der Börse wird ja schließlich die Zukunft gehandelt. Und da setzen die Analysten vor allem auf das Thema "private Altersvorsorge". Schneller als erwartet sind die staatlichen Renten- und Sozialsysteme zum Sanierungsfall geworden, Versicherer, aber eben auch die unabhängigen Finanzdienstleister wie MLP, AWD oder Mediolanum, gelten langfristig als Profiteure der demografischen Entwicklung. Und beim Blick auf die genannten Konkurrenten erscheine MLP mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 17 auf Basis der Gewinne für 2003 günstig, sagt Analyst Höhn. Die italienische Mediolanum sei dagegen mit einem KGV von 42 recht teuer.

Das Vorsorgethema werde "massiv Wind in die Segel von MLP blasen", meint Alfred Kaiser vom Maklerhaus Fritz Nols. Auf Jahressicht halten auch andere Experten die Aktie für aussichtsreich, gleichwohl klaffen die Kursziele mit einer Spanne von rund 6 bis 18 Euro immer noch extrem auseinander. Und die Ermittlungen der Staatsanwälte bleiben die Achillesferse der Aktie: sollte Anklage wegen Bilanzfälschung erhoben werden, droht ein neues Kursunglück. Bis zu dieser Entscheidung bleibt MLP ein Wert für Waghalsige.

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