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14.01.2001

19:07 Uhr

„Bei den Dezember-Aufträgen hat jemand plötzlich das Licht abgeschaltet!“

Hewlett-Packard will nach der Gewinnwarnung die Kosten kontrollieren

VonRUDI KULZER

"Die Zahlen im November waren im Großen und Ganzen noch okay", verkündete Carly Fiorina, Chefin von Hewlett Packard (HP), Palo Alto, Ende vergangener Woche während einer Telefonkonferenz mit Analysten. "Doch dann hat im Dezember jemand bei den Aufträgen das Licht abgeschaltet."

HB PALO ALTO. Vor eineinhalb Jahren kam Carly Fiorina zum Silicon-Valley-Pionier Hewlett-Packard. Sie sollte für frischen Wind beim Computerkonzern sorgen. Doch nun sah sich die Frau, von vielen als einflussreichste in den USA tituliert, gezwungen, nach einem schwachen Ergebnis im November erneut eine Gewinnwarnung auszusprechen.

Es habe zwar keine Stornierung bestehender Aufträge gegeben, dafür aber weniger neue Aufträge als erwartet. Als Ursachen für die veränderte Marktsituation sieht die HP-Chefin, "eine dramatische Schwäche" der US-amerikanischen Wirtschaft. Doch auch in der Wirtschaftsregion Asien-Pazifik habe HP "Zeichen von Verlangsamung" beobachtet. Die Nachfrage in Europa dagegen sei "relativ stark".

Nachdem HP am vergangenen Donnerstag nach Parkettschluss an der New Yorker Börse die Vorhersagen für Umsatz und Gewinn für das erste Quartal seines Geschäftsjahres 2001 (31.12.) nach unter korrigiert hat, müsse sich das Unternehmen, so Fiorina, in den nächsten Monaten darauf konzentrieren, die Kosten im Griff zu behalten und die Markteinführung neuer Produkte mit Vorsicht zu managen.

Trotz der Anpassung der Kosten an die sinkenden Umsätze seien keine Entlassungen geplant. Im Gegenteil, man sei immer noch in einer Phase, in der neue Mitarbeiter eingestellt werden. Man werde jedoch die Einstellungspolitik der veränderten Situation anpassen. Einzelheiten will Fiorina am 15. Februar erklären, wenn die Quartalsergebnisse offiziell bekanngegeben werden.

Als einen Schritt dieser Entwicklung, so ergänzte HP-Finanzchef Bob Wayman, habe der Konzern in den letzten Wochen etwa 15 % seiner Produktionsleistung auf Teilzeitkräfte verlagert, um so auf künftige Schwankungen der Konjunktur besser reagieren zu können.

Als neue Gewinnerwartung für das erste Quartal hatte HP am Donnerstag eine Größenordnung zwischen 35 und 40 Cent pro Aktie genannt. Die Einschätzung der Analysten lag zu diesem Zeitpunkt nach Angaben von First Call/Thomson Financial noch bei 42 Cent. Die HP-Aktie schloss am Donnerstag mit 32,38 $ und gab dann im nachbörslichen Handel auf 30,63 $ nach. Der Kurs konnte am Freitag bei Börsenschluss gehalten werden.



Abstufung der HP-Aktie

Trotz einer Abstufung der HP-Aktie durch Brokerhäuser wie Goldman Sachs und Bear Stearns waren die Investoren an der Wall Street offensichtlich von den anhaltend schlechten Nachrichten aus der Computerindustrie nicht mehr überrascht. Entsprechende Korrekturen der HP-Aktie waren nach Ansicht von Marktbeoachtern wie etwa Daniel Kunstler von J.P. Morgan Securities im aktuellen Kursniveau bereits berücksichtigt. Kunstler hoffte - wie dann auch eingetreten - auf eine "relativ milde Reaktion" des Marktes.

Das Ergebnis des Computerherstellers für das laufende Quartal, wie vermutlich auch für das nächste Quartal, ist nicht nur von einer stark nachlassenden PC-Nachfrage und konjunkturbedingten Problemen geprägt. Nach einer jüngsten Meldung von Cnet aus San Francisco scheinen auch die in den letzten beiden Jahren aufgetretenen Schwächen bei Unix-Servern noch nicht gelöst.

Eine Untersuchung des Analysten Thomas Kraemer von Merill Lynch spricht von "mäßigen" Testergebnissen des im Herbst vergangenen Jahres vorgestellten HP-Servers "Superdome", der die Konkurrenten Sun Microsystems und IBM angreifen sollte. Dafür sieht Kraemer keine Anzeichen. Es sehe nicht so aus, so Kraemer, dass die Superdome-Server-Serie derzeit in der Lage sei, einen Wendepunkt im angeschlagenen Servergeschäft von HP einzuleiten. Von IBM und Sun werden in den nächsten Tagen positive Zahlen im Servergeschäft erwartet.

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