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28.01.2003

08:29 Uhr

Bei einem Irak-Krieg sehen Analysten die Branchenführer auf der Gewinnerseite

Ölaktien bieten Investoren Kursphantasie

VonTHOMAS WIEDE

Analysten sind sich ziemlich einig darüber, dass die Aktien der großen Ölmultis zumindest kurzfristig auf der Gewinnerseite stehen, wenn es dem irakischen Diktator Saddam Hussein militärisch an den Kragen gehen sollte - dazu stimuliert das Land mit den zweitgrößten Ölreserven der Welt nach Saudi-Arabien die Phantasie von Unternehmen und Anlegern viel zu sehr.

DÜSSELDORF. Wie es in den kommenden Monaten mit diesen Werten weitergehen wird, mag aber kein Analyst voraussagen. "Klar ist:", so Clay Smith von Commerzbank Securities, "die meisten Ölaktien sind zurzeit unterbewertet." Er sieht einen Abschlag von rund 8 % bei den Papieren von BP, Royal Dutch/Shell Group und Total Fina Elf auf den fairen Wert - und das, obwohl sich der Ölpreis auf dem hohem Niveau stabil hält.

"In der Vergangenheit haben die Aktien der Öl-Unternehmen immer von einem Preisanstieg des Rohstoffs profitiert", sagt Dennis Nacken, Analyst bei Helaba Trust. Die im Öl-Preis enthaltene Kriegsprämie werde den Multis aber nicht mehr zugerechnet, so Nacken. Langfristig rechnen Experten, aber auch die Unternehmen selbst, nämlich mit einem Wert, der sich am unteren Ende der von der Opec festgelegten Spanne von 22 bis 28 $ pro Barrel (159 Liter) bewegt.

Wenn die Branchenführer in den kommenden Tagen ihre Zahlen für das Jahr 2002 vorlegen, schauen Analysten und Anleger vor allem auf BP. Beim weltweit zweitgrößte Ölmulti steht ein Strategiewechsel an: Konzern-Chef John Brown will nach einer Serie von internen Pleiten mit zu hoch angesetzten Produktionszielen seinen enttäuschten Anlegern ein Zeichen geben. Der Kurs hat in den vergangenen Monaten sehr gelitten - ein Zustand, der einer aktuellen Studie von Goldman Sachs aber nicht lange anhalten wird. Im Vergleich zum Konkurrent Exxon Mobil sei BP zu stark unterbewertet. Die Analysten halten die Papiere des US-Mitbewerbers auch insgesamt für zu teuer.

In den vergangenen Jahren lag der Fokus des Unternehmens darauf, die Latte in der Produktion hoch zu legen und sie dann zur Freude der Anleger auch zu überspringen. BP rückt nun die Kapitaleffizienz in den Mittelpunkt. Dazu hat der Konzern in der vergangenen Woche begonnen, sich von weniger rentablen Feldern in der Nordsee und dem Golf von Mexico zu trennen. Das Geschäft mit dem Geschäftspartner Apache, die Goldman Sachs kürzlich mit "outperform" bewertet hatte, brachte dem britischen Ölriesen 1,3 Mrd. $ ein.

Wenn BP-Chef Brown am 11. Februar die neuen Ziele für den Konzern vorstellt, wird es nach Ansicht von Unternehmenskennern neben neuen Projekten und der Veräußerung weiterer Anlagen auch um personelle Veränderungen im Management gehen. Außerdem ist eine Kommission dabei, Kosten und Geschäftsprozesse unter die Lupe zu nehmen.

Analysten schätzen, dass Konkurrenten wie Shell und Exxon Mobil einen ähnlichen Pfad wie BP einschlagen werden. Auch bei Chevron Texaco sei das denkbar, da der US-Konzern eine große Anzahl von Anlagen in seinem Portfolio mitschleppe, die insgesamt wenig Wert erzeugen, dafür aber die Produktion hochhalten.

Die niederländisch-britische Shell will an der grundsätzlichen Unternehmensstrategie zwar nichts ändern, anlässlich der Präsentation des Jahreszahlen am 6. Februar wolle man aber ein "Update" vorstellen, heißt es.

Wenn sich die Großen bei einem hohen Ölpreis von ihren alten und zu teuren Anlagen trennen, springen vor allem kleinere Unternehmen wie zum Beispiel die dänische Paladin Oil ein. Anders als "Big Oil" können sie wesentlich effizienter den letzten Tropfen Öl aus den alten Feldern "ausquetschen".

Zu den Analysten-Lieblingen zählt dabei zurzeit die italienische Eni. "Die Aktie ist günstig bewertet und das Unternehmen liefert eine attraktive Dividenden-Rendite", so Helaba-Experte Nacken. Die Italiener haben zudem neben einem starken Standbein im europäischen Gasmarkt einen weiteren Pluspunkt: Sie sind nicht so stark vom anfälligen Raffineriegeschäft abhängig.

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