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06.03.2003

16:14 Uhr

Bei Entgelt-Anpassung

IG Metall sieht Prämien in Gefahr

Die IG Metall fürchtet im Zuge der Einführung einheitlicher Löhne und Gehälter von Arbeitern und Angestellten deutliche Nachteile für Akkord- und Prämienlohn-Arbeiter in der Branche.

Reuters LEINFELDEEN-ECHTERDINGEN. Der baden-württembergische IG-Metall-Bezirksleiter Berthold Huber drohte nach einer Sitzung der Großen Tarifkommission am Donnerstag in Leinfelden-Echterdingen bei Stuttgart mit einem Abbruch der Verhandlungen über den so genannten Entgeltrahmen-Tarifvertrag (ERA), falls bis Ostern kein Ergebnis erzielt werde. Der Arbeitgeberverband Südwestmetall versuche, ERA als Kostensenkungsprogramm zu missbrauchen. "Mehrleistung soll sich nicht mehr lohnen", interpretierte Huber die Position der Arbeitgeber.

Arbeitgeber und Gewerkschaft hatten sich in ganz Deutschland im Mai 2002 grundsätzlich auf den Einstieg in den einheitlichen Tarif für Arbeiter und Angestellte von 2007 an geeinigt. Seither liefen die Detailverhandlungen. "Wir suchen nach wie vor eine Lösung am Verhandlungstisch", sagte Huber. Das werde schwierig.

Notfalls erwäge die Gewerkschaft, den ERA in die nächste Lohntarifrunde 2004 zu ziehen. Ein Scheitern des ERA schlossen beide Tarifpartner aus: "Ein Scheitern wäre fatal, damit würde der Flächentarif an Bedeutung verlieren", sagte ein Sprecher des Arbeitgeberverbandes Südwestmetall. Für den 27. und 28. März ist eine möglicherweise entscheidende Verhandlungsrunde geplant. Die Arbeitgeber wollten die tariflichen Leistungsentgelte auf 15 Prozent des Tariflohns deckeln, erklärte die IG Metall.

Alle darüber hinaus gehenden Lohnbestandteile würden damit der Mitbestimmung entzogen. Derzeit liegen die Leistungslöhne bei durchschnittlich 40 Prozent des Grundlohns. Den Vorschlag der IG Metall, die Leistungslöhne auf Betriebsebene auszuhandeln, lehne der Arbeitgeberverband im Widerspruch zu seinen Forderungen nach einer Liberalisierung des Flächentarifs ab, sagte Huber. Die Betriebsräte versuchten dann, die Entgelte ohne Gegenleistung künstlich nach oben zu treiben, warnte der Arbeitgeberverband Südwestmetall. "Kein Mitarbeiter soll Geld verlieren", sagte ein Sprecher.

Im Streit über den ERA hatten 30 000 Metaller im Bezirk Küste am vergangenen Freitag vorübergehend die Arbeit niedergelegt. Die Tarifpartner waren dort ergebnislos auseinander gegangen. Für den Südwesten schloss Huber Warnstreiks aus. Der traditionelle Metall-Pilotbezirk Baden-Württemberg gilt erneut als Schlüssel zu einer Lösung des Konflikts. Allein in Baden-Württemberg gibt es rund 140 000 Arbeiter, die nach Akkord- oder Leistungslöhnen bezahlt werden. Der Organisationsgrad der IG Metall ist unter ihnen überdurchschnittlich hoch.

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