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26.05.2000

16:49 Uhr

Andy Cook erwartet keinen Aufschrei in der Gründerszene. "First Tuesday möchte nur einen geringen Anteil des Werts, den wir schaffen, für sich. Das ist doch völlig normal", sagt der 33 Jahre alte gebürtige Brite über das neue Provisionsmodell. "Außerdem werden wir die kostenlosen Treffen fortsetzen. Das Match Making ist ein Zusatzangebot." Cook ist zusammen mit Hank Boot in London für eine neue Form des populären Gründertreffs verantwortlich: das sogenannte Match Making.
Um Zutritt zu diesen Veranstaltungen zu erhalten, müssen potenzielle Kapitalgeber und Gründer sich bei First Tuesday bewerben. Die aussichtsreichsten 35 Unternehmen und Venture Capitalists wollen die Organisatoren dann zusammen bringen. An einem Termin treffen jeweils acht Geldgeber auf acht Gründer. Werden sich beide Seiten einig, erhält First Tuesday für die Mittlerrolle zwei Prozent des vereinbarten Geschäftsvolumens.

Drei derartiger Treffen habe es schon gegeben, sagt Cook. In London sei bereits ein Abschluss erzielt worden, nach dem Treffen in Zürich seien vier Unternehmen in Verhandlungen getreten, und auch die Resonanz auf das erste Treffen in Deutschland, Anfang April in Berlin, sei sehr ermutigend gewesen.
Allerdings habe sich die Atmospähre bei diesen Treffen von der ungezwungenen Lässigkeit der bisherigen First Tuesdays stark unterschieden. Anstelle sich mit unverbindlichem small talk aufzuhalten, sei man dort sehr schnell zur Sache gekommen.



Geteilte Meinungen zum neuen Modell

Das Zusammenbringen potenziell passender Partner sei eine Leistung, die Gründern und Geldgebern helfe, sich auf ihre Geschäfte zu konzentrieren, meint Cook. Dass die kostenlosen Veranstaltungen nun an Wert einbüßen werden, glaubt Cook aber nicht. Für Kontakte und den Austausch mit Gleichgesinnten blieben die First Tuesdays weiter wichtig, versichert er.



Einige Besucher des First Tuesday Rheinland im ehemaligen Mannesmann-Stahlwerk in Düsseldorf sehen die Entwicklung dennoch skeptisch. Eine "ganz schlechte Idee" sei das, urteilt Frank Hölzle, Venture Capitalist bei TFG in Marl. Es gebe schon viele Plattformen, die Matching anböten, sagt der Beteiligungsmanager. "Das Schöne am First Tuesday ist doch, dass sich alle treffen können." Dennoch glaubt Hölzle, dass viele Venture Capitalist Gesellschaften Interesse an Terminen mit Vorabselektion haben dürften. "Wir zahlen aber normalerweise keine Provision", sagt der TFG-Manager. Nur in Ausnahmefällen werde eine Vermittlungsgebühr bezahlt. Die liege zwischen 0,5 und 3 Prozent des Kapitalbedarfs. 1999 kam TFG auch so auf ein Beteiligungsvolumen von 116,4 Millionen DM. 1500 Anfragen nach Kapitalwachstum konnte das im S-Dax notierte Beteiligungsunternehmen im vergangenen Jahr nach eigenen Angaben verbuchen.



"Wenn es dazu dient, voran zu kommen, ist das Konzept gut", meint dagegen Jörg Heydel, der die Schnäppchenplattform für den Einzelhandel im Internet, Konsumis, gegründet hat. Das Geld liege nämlich, anders als von der Presse oft behauptet, nicht auf der Straße.
"Zwei Prozent für die Vermittlung ist fair", gibt auch Helmut Vorndran dem neuen Modell eine Chance. "First Tuesday hat eine exzellente Ausgangsbasis. Insofern könnte das funktionieren." Der Geschäftsführende Gesellschafter der Vorndran Beteiligungs-GmbH verweist auf die Konkurrenz durch Unternehmensmakler. Die würden ohne "retainer fee", also ohne erfolgsunabhängige Grundgebühr, in Höhe von 100 000 bis 500 000 DM oft gar nicht tätig. Bei den Netzwerken von Business Angels reiche die Preisspanne von einer 1000-Euro-Flatrate bis zu einer Provision von vier Prozent. Trotzdem wird die Entscheidung, dem First Tuesdays eine exklusive Gründerveranstaltung an die Seite zu stellen, seiner Ansicht nach einige Interessenten vertreiben. Außerdem sei ein Vertragsabschluss schwer zu kontrollieren, gibt der Kapitalgeber zu bedenken.



"Wenn wir als Venture Capitalists einen Mangel an guten Ideen sehen, dann werden wir uns an so etwas beteiligen", umreißt Nicolas von der Schulenburg, Projektleiter bei 3i Deutschland in Düsseldorf, das Potenzial der Kuppler. "Das ist bislang aber nicht der Fall", fügt er hinzu. Ab und zu habe es zwar schon Unternehmen gegeben, die an 3i vermittelt worden seien. In diesen Fällen hätten aber die Unternehmen zahlen müssen. First Tuesday nutze sowieso den Gründern am meisten, findet von der Schulenburg und gesteht den First-Tuesday-Initiatoren großzügig zu: "Die haben sich in der Vergangenheit ein klein bisschen unterverkauft."



First Tuesday kann noch ganz anders

Match-Making-Organisator Cook ist sich indes sicher, dass der Gründertreff selbst in Zukunft für Geschäft und Wachstum stehen wird. Immerhin hat er seine Bank-Karriere bei der Privatbank HSBC Trinkaus & Burckhardt aufgegeben, um weltweit provisionsträchtige Veranstaltungen zu organisieren. Auch die nächsten Schritte sind Cook schon klar: Die Datenbasis soll gewinnbringend verwertet werden. Noch ist die Stellenbörse aber kostenlos. Langfristig will First Tuesday zudem in die Vermittlung von Büroräumen einsteigen und Schulungen anbieten. Die weltweite Präsenz - derzeit hat First Tuesday 60 000 Mitglieder und offeriert den First Tuesday in 60 Städten und 31 Ländern - sichert stetig zunehmendes know-how in Gründerfragen. Nur eines, verspricht Cook, wird First Tuesday nicht in Angriff nehmen: "Unser Geschäftsmodell beruht auf einem Portal. Wir haben keinen Plan, selbst ein Inkubator oder Venture Capitalist zu werden."

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