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24.01.2003

06:13 Uhr

BRÜSSEL. Sind die guten Nachrichten bei France Télékom schon im Kurs enthalten? France Télécom ist ohne Zweifel gut in Fahrt. Die Anleihe-Emission von 5,5 Mrd. Euro kommt bei den Investoren gut an. Die Gefahr eines Liquiditätsengpasses droht nun nicht mehr zum Ende des ersten Halbjahrs, sondern frühestens zum Jahresultimo - vielleicht aber gar nicht mehr.

Die Telekom-Gesellschaft braucht vielleicht nicht einmal mehr auf staatliche Hilfe von über 9 Mrd. Euro zurückzugreifen. Und sie hat jetzt den Spielraum, darüber zu entscheiden, wann sie mit ihrer Bezugsrechtsemission über 15 Mrd. Euro auf den Markt kommen will. Seit Ende letzten Jahres legte der Aktienkurs des Unternehmens über 40 Prozent zu, gegenüber den Tiefstständen verdreifachte er sich sogar. Doch während sich die Analysten schützend vor France Télécom stellen und die Erinnerung an die Krise im Jahr 2002 langsam verblasst, fragt sich doch manch ein Anleger, ob nicht die ganzen guten Neuigkeiten inzwischen "eingepreist" sind. Der Markt verhält sich ganz so, als ob kaum ein Risiko besteht, dass die Umstrukturierung vielleicht doch nicht den erwarteten Cash Flow von 15 Mrd. Euro in den kommenden drei Jahren bringen wird. Diese Summe hatte der neue Vorstandschef Thierry Breton im Dezember versprochen.

Der Markt setzt große Erwartungen in die Telekombranche, insbesondere in den Festnetzsektor. "Warum sollte man solche Aktien jetzt noch kaufen?" fragt sich ein Hedge-Fund-Manager. "All die guten Meldungen und Ereignisse sind ja schon im Kurs drin." Tatsächlich sind die positiven Erwartungen allerlei Risiken ausgesetzt. Schließlich ist France Télécom kein zweite KPN - die in diesem Zusammenhang gern zitierte niederländische Erfolgsgeschichte, wenn es um Umstrukturierungen in der Branche geht. Die Franzosen investieren aber gemessen am Umsatz weniger. Auch arbeiten sie effizienter als KPN - was ja für sich genommen gar nicht schlecht ist. Doch Kostenkürzungen dürften sich deshalb schwieriger gestalten. Gleichzeitig werden sich die Cash-Flow-Prognosen des Unternehmens nur schwer einhalten lassen, wenn sich das Wachstum der Mobilfunktochter Orange verlangsamt.

Durch die 5,5-Mrd.-Euro-Anleihe hat die Gesellschaft ein wenig Zeit gewonnen. Aber der Druck, sich eher früher als zu spät zu bewegen, bleibt. Stellt France Télécom die Emission zurück, schleicht sich wieder Unsicherheit bei den Investoren ein. Zum Jahresende hat das einstige Staatsunternehmen vermutlich immer noch Nettoverbindlichkeiten von 48 Mrd. Euro. Zwar wird die Belastung etwas leichter zu handhaben sein, aber das Schuldenniveau ist - gemessen am Umsatz, Ertrag und Cash Flow - immer noch das höchste im europäischen Telekom-Sektor.

Dem Argument, die Aktien seien auf dem derzeitigen Niveau und gemessen an der Cash-Flow-Rendite, immer noch billig, tritt UBS Warburg entgegen. Die Cash-Flow-Rendite werde durch einige einmalige Posten beschönigt, die nach Meinung der Experten herausgerechnet werden müssen. Ohne diese Sonderposten läge die Cash-Flow-Rendite für 2003 unter dem Durchschnitt. Die Aktien seien also gar nicht so billig wie sie dem einen oder anderen vielleicht erschienen. UBS Warburg empfiehlt daher, den Titel aus dem Depot zu reduzieren.

Es gibt also beträchtliche Kursrisiken. Doch um es einmal positiv zu formulieren: Anleger haben eine gute Chance, France-Télécom-Aktien noch einmal zu einem günstigeren Kurs als heute erwerben zu können.

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