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05.02.2001

20:37 Uhr

Beide Konzerne kontrollieren 80 % des Marktes

Stromfusion in Spanien gescheitert

Die geplante Fusion der zwei führenden spanischen Stromversorger Endesa und Iberdrola zu einem der größten Elektrizitätskonzerne der Welt ist an den hohen Auflagen der Madrider Regierung gescheitert.

dpa MADRID. Die Präsidenten beider Unternehmen, Rodolfo Martin Villa und Inigo de Oriol, teilten am Montag in der spanischen Hauptstadt mit, dass Endesa und Iberdrola ihr Fusionsvorhaben aufgegeben hätten. Die Verwaltungsräte beider Konzerne hätten dies einstimmig entschieden.

Die beiden Konzerne kontrollieren zusammen fast 80 % des spanischen Strommarktes. Bei einem Zusammenschluss hätten sie einen der fünf größten Stromversorger der Welt gebildet. Die spanische Regierung verlangte jedoch, im Falle eines Zusammenschluss dürfe der gemeinsame Großkonzern aus Wettbewerbsgründen einen Marktanteil von 40 bis 48 % nicht überschreiten. Endesa und Iberdrola hätten große Teile ihrer Geschäftsbereiche abgeben müssen.

Nach Ansicht der Führung beider Konzerne waren die von der Regierung vorgegebenen Obergrenzen zu niedrig gezogen. Der Endesa - Chef wies zudem darauf hin, dass ein Verkauf von Unternehmensbereichen den Aktionären Nachteile eingebracht hätte.

Beim Scheitern spielte ferner eine wesentliche Rolle, dass beide Unternehmen bei einem Zusammenschluss Subventionen in Milliardenhöhe verloren hätten. Dabei geht es nach inoffiziellen Informationen um Beträge von bis zu einer Billion Peseten (zwölf Mrd. DM/6,14 Mrd. Euro), die die Stromerzeuger in einer Übergangszeit als Ausgleich für die Liberalisierung des Marktes erhalten. Der Wert der Fusion war auf rund 2,5 Billionen Peseten (29 Mrd. DM) geschätzt worden.

Mehrere Anbieter im In- und Ausland hatten gehofft, frei werdende Kapazitäten von Endesa und Iberdrola übernehmen zu können. Als mögliche Interessenten waren immer wieder die deutschen Unternehmen RWE und E.ON sowie die französische EDF, die belgische Tractabel und die italienische Enel genannt worden. Der Essener RWE-Konzern wirbt bereits um einen Einstieg beim viertgrößten spanischen Stromerzeuger Hidroeléctrica del Cantßbrico (Hidrocantßbrico).

Endesa (Madrid) und Iberdrola S.A. (Bilbao) hatten vor knapp vier Monaten ihren Zusammenschluss angekündigt. Die beiden Unternehmen kommen zusammen auf fast 37 Mill. Kunden, die Hälfte davon in Lateinamerika, und auf knapp 30 000 Beschäftigte.

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