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14.07.2000

18:58 Uhr

AACHEN. Die lindgrünen, blau abgesetzten Jacken fallen auf. Schon von weitem sind die sechs Reiter des Team Ericsson zu erkennen. Zwei Deutsche, Franke Sloothaak und Marcus Ehning, der Schweizer Markus Fuchs, der Italiener Jerry Smit, der Franzose Olivier Guillon und die Schwedin Maria Gretzer reiten seit Februar 2000 im Rock ihres Sponsors. Und sie tun das äußerst erfolgreich - auch wenn Teamleader Franke Sloothaak am ersten Tag des CHIO Aachen nach einem Sturz mit dem Holsteiner Hengst Lord Z zu Fuß das Springstadion verließ.

Denn Mannschafts-Europameister Marcus Ehning mit seinem Hannoveraner Hengst For Pleasure ließ sich vom starken Regen nicht beirren und gewann am Mittwoch den Preis von Europa - auch ein Sieg für sein Team Ericsson. Auch Bundestrainer Herbert Meyer wird heute beim Nationenpreis auf Ehning setzen. Dabei allerdings muss der mit roter Jacke aufsitzen.

Unternehmen entdecken den Reitsport. Auch die britische Firma Traxdata oder die niederländische Versicherung Aegon haben Springreiter für eigene Teams angeheuert. Den ersten Wettbewerb der gesponserten Equipes allerdings gewann Ericsson jüngst im niederländischen Geesteren. Das schwedische Unternehmen kündigt an, dass die Teams bald auch beim Internationalen Weltreiterverband registriert werden. Dann können die Reiter beim Einritt werbewirksam mit dem Namen des Sponsors angesagt werden. Für sein Team hat sich Ericsson mit Top- Sportlern versorgt: Bis auf den Franzosen Olivier Guillon haben alle Reiter beste Chancen, ihr Land auch bei der Olympiade in Sydney zu vertreten. Der Auftritt in Australien wäre ganz nach dem Geschmack von Art McCabe, dem Direktor der Abteilung "Brand Experience Management" von Ericsson. "Erfolg ist für uns nicht alles", sagt der Kanadier allerdings. "Auch wenn wir die ersten sechs Reiter der Weltrangliste verpflichtet hätten, würde das keine Seriensiege garantieren."

McCabe berichtet, dass Franke Sloothaak im vergangenen Jahr auf den schwedischen Telekommunikationskonzern zugekommen sei: "Zu einem günstigen Zeitpunkt, denn wir waren dabei, unsere Engagements zu überdenken. Wir hatten das Gefühl, dass wir uns verzettelten." Ericsson habe zu viel gemacht: Tennis in den USA, Golf in Asien, Leichtathletik, Segeln, Motorsport. "Mit dem Reitsport können wir unser Image verändern", hofft McCabe. "Weg von der harten Technik, hin zu mehr Menschlichkeit."

"Make yourself heard" steht auf den Regenjacken des Teams. Doch die Schweden wollen weg vom bisherigen Firmenimage: "Die meisten Menschen denken bei Ericsson an Handys, obwohl sie nur 20 Prozent unseres Umsatzes ausmachen. Der Löwenanteil sind Netzwerksysteme für Großunternehmen", sagt McCabe. "Wir möchten für die Menschen Erlebnisse schaffen. Wir werden künftig beispielsweise Feste für die Fans organisieren."

Auf zehn Turnieren soll das Team Ericsson präsent sein. Die Reiter sind verpflichtet, Auftritte für Gäste des Sponsors zu absolvieren. "Den Rest der Zeit können sie sich stärker auf ihren Sport zu konzentrieren, weil wir die Logistik übernehmen, Flüge und Hotels buchen und Termine machen", sagt McCabe.

Nur beim Thema Geld wird der sonst so redselige McCabe zugeknöpft. "Es ist noch nicht genug Geld im Reitsport, der teurer ist als die meisten anderen Sportarten", sagt er "Mit dem Pferdekauf ist es nicht getan. Es muss unterhalten werden. Tierarzt, Pfleger, das alles kostet viel." Der Vertrag mit den sechs Reitern hat eine Laufzeit von drei Jahren. Es heißt, dass jedes Teammitglied 200 000 Mark pro Jahr von Ericsson bekommt.

Über die finanzielle Unterstützung will auch Maria Gretzer nicht reden. Sie hat andere Sorgen. Ihr Pferd Feliciano hat sich in Aachen verletzt. Nun hofft Gretzer, dass es bis Sydney wieder fit ist. "Durch das Team Ericsson", tröstet sich die Schwedin, "bin ich jetzt doch irgendwie in Aachen dabei."

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