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16.03.2003

14:15 Uhr

Beisetzung und Trauergottesdienst

Festnahmen rund um Djindjic-Attentat

Der ermordete serbische Regierungschef Zoran Djindjic ist am Samstag in Belgrad unter großer Anteilnahme der Bevölkerung beigesetzt worden. An der Gedenkfeier und dem Trauerzug für den am Mittwoch in Belgrad von unbekannten Heckenschützen erschossenen Politiker nahmen mehrere hunderttausend Menschen sowie zahlreiche ausländische Regierungschefs und Außenminister teil.

HB/dpa BELGRAD. Währenddessen setzten die serbischen Sicherheitskräfte die Suche nach den Tätern und Hintermännern des Attentats fort. Bis zum Sonntag wurden fast 200 Personen vernommen. Für 131 Tatverdächtigte sei auf Grund des seit Mittwoch verhängten Ausnahmezustands eine Untersuchungshaft von 30 Tagen angeordnet worden, teilten die Behörden mit.

Vom Organisierten Verbrechen angeheuerte Killer mit Verbindungen zum gestürzten Milosevic-Regime sollen den Mord ausgeführt haben. Am Samstag wurde nach Angaben des Innenministeriums einer der mutmaßlichen Hintermänner festgenommen. Es handelt sich um Mladjan Micic alias "Pacov" (Ratte). Er ist einer der Bosse des berüchtigten "Zemun-Clans", der die Ermordung des Regierungschefs organisiert und finanziert haben soll. Mit ihm wurden in einem Versteck in dem südserbischen Dorf Smoljinac sechs weitere Tatverdächtige festgenommen. Die Polizei beschlagnahmte zahlreiche Waffen, Munition, Nachtsichtgeräte sowie mehrere wahrscheinlich gestohlene Luxusautos.

Vor und nach der Beerdigung Djindjics führte die Belgrader Führung Gespräche mit den ausländischen Vertretern. Diese sicherten der demokratischen Regierung Serbiens die volle Unterstützung für die Fortsetzung der Reformpolitik Djindjics und der Annäherung an die Europäische Union zu. Deutschland war durch Außenminister Joschka Fischer und Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul vertreten.

Das Parlament Serbiens könnte schon in dieser Woche über den Amtsnachfolger des 50-jährigen Politikers entscheiden. Zoran Zivkovic, langjähriger engster Djindjic-Mitarbeiter und bisheriger jugoslawischer Verteidigungsminister wurde am Sonntag von der Demokratischen Partei (DS) von Djindjic offiziell für das Amt vorgeschlagen. Er soll auch bis zum Parteitag, vorgesehen erst für das kommende Jahr, als Vizeparteichef die DS vertreten. Das hat der in Belgrad tagende DS-Hauptausschuss beschlossen.

Für Djindjic fand ein Trauergottesdienst nach serbisch-orthodoxem Ritus in der größten Kirche des Balkans, dem Dom des Heiligen Sava, statt. In seiner Trauerpredigt würdigte Erzbischof Amfilohije den ermordeten Politiker als einen Mann, der Europa und der Welt die Hand gereicht habe, trotz der vom Ausland in der Vergangenheit dem serbischen Volke zugefügten "großen Leiden". Djindjic aus "blindem Bruderhass" ermordet worden, sagte der geistliche Würdenträger.

Mehrere hunderttausend Menschen zogen anschließend in einer riesigen Trauerprozession durch die Innenstadt zum Friedhof. Der Sarg des Politikers war auf einer Geschützlafette aufgebahrt. Er wurde von Garde-Soldaten unter den Klängen eines Trauermarsches begleitet.

In dem kilometerlangen Trauerzug gingen neben der Witwe, den beiden Kindern und der Mutter von Djindjic die gesamte politische Führung Serbiens und Montenegros und rund 70 ausländische Delegationen mit. Zehntausende von Menschen säumten die Straßen, die zum Friedhof führen. Sie trugen Bilder von Djindjic und warfen Blumen auf den Weg der Trauerprozession. Der 50-jährige Politiker wurde nach einem Ehrensalut in der "Allee der Großen" auf dem Neuen Friedhof Belgrads beigesetzt.

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