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20.03.2006

09:28 Uhr

Belebung der Servicewüste

Über die Radstation zum Job

VonRainer Nahrendorf

Hundekot entfernen und Müllsammeln - derlei hat die Ein-Euro-Jobs in Verruf gebracht. Tatsächlich haben die meisten der 252 000 Ein-Euro-Jobber besseres zu tun, wie bei Erich Felten zum Beispiel. Der Rheinländer leitet die von der Caritas betriebene Radstation am Bonner Hauptbahnhof, mit großem Erfolg.

BONN. Mehr als 20 Jugendliche und junge Erwachsene arbeiten dort für sechs bis zwölf Monate, stellen Räder unter, reparieren oder putzen sie und leihen Fahrräder aus - und das alles für geringe Entlohnung. Doch Geld ist bekanntlich nicht alles. Mancher der unter 25-Jährigen, von denen die Hälfte Migranten oder Migrantenkinder sind, hat ein oder mehrere Handicaps, keinen oder einen schlechten Schulabschluss, Probleme mit der deutschen Sprache, ist verschuldet oder mit dem Gesetz in Konflikt gekommen. Deshalb werden die Jugendlichen sozialpädagogisch betreut, helfen ihnen drei Lehrer, Wissensdefizite aufzuarbeiten, mit dem PC umzugehen, Bewerbungen zu schreiben und ein für sie passendes Berufsfeld zu finden. "Der Kopf muss frei werden von Altlasten", weiß Felten. Und dafür ist die Arbeit in der Radstation unerlässlich.

Service schreibt der Chef hier ganz groß. Die Jugendlichen parken die Fahrräder und bringen sie dem Kunden wieder. Park-, Reinigungs- und Reparaturarbeiten, Werkstatt- und Büroarbeit wechseln sich ab. Für die Motivation am wichtigsten sind die Kundenkontakte. Da erfahren die Jugendlichen, dass ihre Dienstleistung geschätzt wird.

Fünfhundert Kundenkontakte zählt die Station täglich, damit ist sie mehr als voll ausgelastet und kann sich zu gut einem Drittel selbst finanzieren. Zwei Drittel des 460 000 Euro-Etats kommen aus öffentlicher Förderung, das meiste Geld stammt von der ARGE Bonn. Sie zahlt eine Trägerpauschale. Die von der Stadt und der Arbeitsagentur gegründete Arbeitsgemeinschaft (ARGE) ist für die Betreuung und Vermittlung der langzeitarbeitslosen Arbeitslosengeld-II-Empfänger zuständig.

Auch die meisten der Heranwachsenden sind zu Felten über die ARGE gekommen, haben mit den Fallmanagern eine auf sie zugeschnittene Eingliederungsvereinbarung geschlossen. Der Erfolg kann sich sehen lassen.

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