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21.01.2003

16:50 Uhr

Belebung erst in der zweiten Jahreshälfte

Clement erwartet nur noch ein Prozent Wachstum

Bundeswirtschafts- und Arbeitsminister Wolfgang Clement (SPD) hat das deutsche Wirtschaftswachstum im laufenden Jahr auf rund ein Prozent geschätzt und damit eine deutliche Absenkung der geltenden Wachstumsprognose der Bundesregierung signalisiert.

rtr BRÜSSEL. "In diesem Jahr erwarten wir ein Wachstum von rund einem Prozent", sagte Clement am Dienstag in Brüssel, wo er mit EU-Vertretern Gespräche führte. Die bisherige Schätzung der Bundesregierung lautete auf 1,5 % Wachstum. Allerdings hatten Regierungskreise mit Blick auf die Überprüfung dieser Prognose im Rahmen des Jahreswirtschaftsberichts, der am 29. Januar veröffentlicht werden soll, bereits eine deutliche Absenkung in Richtung ein Prozent in Aussicht gestellt. Der Bundesverband des Deutschen Groß- und Außenhandels (BGA) sagte unterdessen ein deutsches Wachstum von 0,6 % für 2003 voraus, das von einem Exportanstieg von knapp drei Prozent profitieren werde. Der vom Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) ermittelte Frühindikator für die deutsche Wirtschaftsentwicklung stieg unerwartet kräftig an.

Er erwarte eine Belebung der Wirtschaft in der zweiten Jahreshälfte, sagte Clement weiter. Clement, dessen Ministerium den Jahreswirtschaftsbericht erstellt, sprach von Anzeichen einer Verbesserung der aktuell noch schwachen Lage. Dabei bezog er sich auch auf die jüngsten Zahlen des ZEW-Frühindikators. "Das ist ein Hoffnungszeichen für mich", sagte der Minister. Der in dem Indikator ausgedrückte Saldo der Konjunkturerwartungen befragter Analysten und institutioneller Anleger sprang im Januar auf 14,0 von 0,6 Punkten im Vormonat. Von Reuters befragte Analysten hatten lediglich mit einem kleinen Anstieg auf 0,7 Punkte gerechnet.

Clement sprach von ersten Anzeichen einer Besserung etwa bei der Entwicklung der Industrieproduktion, die es seit November vergangenen Jahres gebe. Auch der jüngste Ifo- Geschäftsklimaindex habe eine leichte Verbesserung der Geschäftserwartungen ausgewiesen. Clement hatte schon früher eine Abschwächung der noch geltenden Wachstumsprognose für Deutschland von 1,5 % anklingen lassen. Er hatte kürzlich erklärt, die aktuelle Regierungsschätzung werde sich nicht außerhalb der Prognosen der maßgebenden Institute bewegen, die zwischen 0,6 und 1,1 % liegen.

BGA-Präsident Anton Börner erklärte in Berlin, auch er rechne im zweiten Halbjahr 2003 sowohl in den USA als auch in Europa mit einer Belebung der Wirtschaft. Grundlage seiner Einschätzung sei, dass es zu einer schnellen Lösung des Irak-Konflikts kommen werde. Danach werde die Zuversicht von Verbrauchern und Investoren vermutlich wieder zunehmen. Für den deutschen Großhandel sagte der BGA ein Umsatzminus von zwei Prozent im ersten Halbjahr voraus, danach werde die Branche aber wieder wachsen. Dennoch werde der Großhandel 2003 erneut rund 25 000 Stellen abbauen. Insgesamt werde der Großhandelsumsatz nach zwei Jahren des Rückgangs 2003 aber nicht mehr sinken. Mit einem Zuwachs von rund 2,9 % werde der Export trotz des starken Euros auch im laufenden Jahr der deutsche Wachstumsmotor bleiben, sagte Börner Reuters.

ZEW-Präsident Wolfgang Franz erklärte mit Blick auf die Entwicklung des Frühindikators seines Instituts: "Es zeigt sich wohl ein erster Silberstreif am Horizont." Franz warnte aber, die Entwicklung sei mit hohen Risiken sowohl in Hinblick auf den Irak-Konflikt als auch den Kurs der deutschen Wirtschaftspolitik belastet. Auch Bankenvolkswirte sprachen von einem Hoffnungsschimmer für die deutsche Wirtschaft, dämpften aber Hoffnungen auf eine zu schnelle Wende.

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