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08.06.2000

22:20 Uhr

Belgischer Brau-Konzern gilt als aussichtsreichster Kandidat bei der Übernahme des Bass-Biergeschäfts

Interbrew will Europas Nummer eins werden

Zwei der drei größten britischen Brauereien sehen im Biergeschäft kein attraktives Investment mehr - und die belgische Braugruppe Interbrew freut sich darüber. Nach dem Kauf der Brausparte von Whitbread hat der belgische Konzern nun auch bei Bass gute Chancen. Kommt er zum Zug, wird er die europäische Bierliga anführen.

fmd/sen LONDON/BRÜSSEL. Die Anzeichen verdichten sich, dass der belgischen Brauerei Interbrew N.V. in Großbritannien eine zweite große Übernahme binnen weniger Wochen gelingt. Denn der Konzern ist derzeit nach Einschätzung britischer Analysten der aussichtsreichste Kandidat für die Übernahme des Biergeschäfts von Bass Plc. Bass selbst will vorrangige Verhandlungen mit Interbrew weder bestätigen, dementiert sie aber auch nicht.

Bass ist in Großbritannien nach Scottish & Newcastle der zweitgrößte Bierhersteller mit einem Marktanteil von knapp einem Viertel und kontrolliert zudem 12 % des tschechischen Marktes. Den Kaufpreis für das Biergeschäft schätzen Analysten zwischen 2 und 2,2 Mrd. £ (3,5 Mrd. ").

Interbrew-Konkurrenten wie South African Breweries und die dänische Carlsberg-Brauerei hätten nach Informationen britischer Analysten an der Übernahme offenbar kein Interesse mehr. Carlsberg übernahm unlängst die norwegische Orkla-Brauerei.

Unklar ist noch die Interessenlage bei dem niederländischen Heineken - Konzern. Ein Sprecher des Konzerns hatte zuletzt am 25. Mai Kaufinteresse für Bass signalisiert. Jedoch müssten Übernahmen zum Gewinnwachstum beitragen und düften ein bestimmtes Limit nicht überschreiten, sagte er.

Mit der Übernahme von Bass würde die Interbrew-Gruppe, die derzeit ihren Börsengang vorbereitet, an Heineken und Scottish & Newcastle/Danone vorbeiziehen und zur Nummer eins unter den europäischen Brauern aufsteigen. In Großbritannien, dem Land der Pubs, würde dann eine Brauerei vom Kontinent dominieren.

Angesichts eines möglichen Marktanteils von rund 40 % auf der Insel dürften die Wettbewerbshüter bei dem Kauf von Bass durch Interbrew jedoch das letzte Wort haben.

Interbrew erzielte im abgelaufenen Geschäftsjahr einen Umatz von 3,24 Mrd. " und einen Nettogewinn von von 230 Mill. ". Im vergangenen Monat erhielten die Belgier bereits den Zuschlag für das Biergeschäft der britischen Whitbread-Gruppe für rund 400 Mill. ". Interbrew erwartet von der Eingliederung jährliche Kosteneinsparungen zwischen 50 und 100 Mill. £.

Derzeit deckt Whitbread ein Sechstel des britischen Marktes ab. Von der Übernahme unberührt bleiben zunächst die Lizenzverträge mit Heineken. Etwa ein Drittel des Biervolumens von Whitbread wird mit Heineken - Marken erzielt. Ein weiteres Drittel mit Stella Artois - einer Lizenz von Interbrew. Eigene Marken sind Boddington und Flowers. Zum Umsatz der Whitbread-Gruppe in Höhe von 3,5 Mrd. £ trug das Biergeschäft etwa ein Drittel bei, zum Gewinn jedoch nur etwa 12 %.

Deswegen fiel Whitbread der Abschied von einer 258-jährigen Brauereitradition nicht schwer. Künftig will sich das Unternehmen verstärkt auf sein Hotel-, Restaurant- und Fitnessclub-Geschäft konzentrieren. Im vergangenen Jahr wurde beispielsweise die Hotel- und Pub-Gruppe Swallow für 578 Mill. £ übernommen. Die Gruppe betreibt zudem Marken-Hotels wie Marriott und Travel Inn.

Ähnlich wie Whitbread will sich auch Bass auf das renditeträchtigere Geschäft im Freizeit-Bereich (Pubs und Hotels) konzentrieren. Bei einem Umsatz von 4,7 Mrd. £ entfiel auf das Brauereigeschäft ein Anteil von 1,84 Mrd. £. Auch Bass ärgert sich über den schwachen Gewinnbeitrag der Sparte.

Analysten rätseln bereits, was Bass künftig mit seiner kräftig gefüllten Kriegskasse anstellen wird. Als wahrscheinlich gilt eine Ausdehnung im Hotelgeschäft. Spitzenhotel-Gruppen wie Sheraton, Hilton, Millenium & Copthorne müssten sich jetzt auf einen Anruf von Bass-Chairman Sir Ian Prosser gefasst machen.

Derzeit betreibt Bass weltweit mehr als 2 900 Hotels und 3 000 Pubs. Zu den bekannten Hotel-Marken zählen Holiday Inn, Inter-Continental und Crown Plaza. Im Gespräch ist derzeit eine engere Kooperation in Deutschland mit der Dorint Hotels & Resorts.

Die vollzogene oder noch geplante Abkehr von der Biertradition ist den Aktienkursen von Whitbread und Bass hut bekommen. Seit Ende März haben sich die Werte besser entwickelt als der Londoner Leitindex FTSE-100.

Eine andere Strategie als Whitbread und Bass verfolgt die derzeit noch größte britische Brauerei Scottish & Newcastle. Im Gegensatz zu den Konkurrenten will man sich von Freizeit- Aktivitäten wie beispielsweise den Center-Parks-Feriendörfern trennen. Mit der 1,7 Mrd. £ teuren Übernahme der Bieraktivitäten von Danone (Marke: Kronenbourg) im März hat die britische Gruppe zudem ihren Ehrgeiz im Brauereigeschäft deutlich unterstrichen.

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