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18.01.2001

11:22 Uhr

Ben Ami und Arafat beraten zwei Stunden lang

Scharon will keine Zugeständnisse an die Palästinenser machen

Der iraelische Außenminister Ben Ami sagte, er habe den Eindruck, dass die Palästinenser alle Möglichkeiten des laufenden Prozesses ausschöpfen wollten.

ap JERUSALEM. Der rechtsgerichtete israelische Oppositionsführer Ariel Scharon will den Palästinensern im Fall seiner Wahl zum Ministerpräsidenten kein weiteres Land übergeben. Zudem sprach er sich für den Abschluss eines langfristigen Übergangsabkommens anstelle eines umfassenden Friedensabkommens mit den Palästinensern aus. Der palästinensische Unterhändler Sajeb Erakat wies Scharons Plan als "Rezept für den Krieg" zurück. Auch der israelische Regierungschef Barak sagte, Scharon werde dem Land keinen Frieden bringen.

Der israelische Außenminister Schlomo Ben Ami sagte, die Palästinenser würden kein weiteres Übergangsabkommen unterzeichnen: "Es gibt ein endgültiges Abkommen oder gar keins." Derzeit gebe es noch leise Hoffnung, dass bis zur israelischen Ministerpräsidentenwahl am 6. Februar ein Friedensabkommen geschlossen werde, sagte Ben Ami. Er hatte sich am Mittwochabend überraschend zwei Stunden mit dem palästinensischen Präsidenten Jassir Arafat in Kairo beraten. Anschließend sagte Ben Ami, er habe den Eindruck, dass die Palästinenser alle Möglichkeiten des laufenden Prozesses ausschöpfen wollten. Im israelischen Rundfunk hieß es, die Unterredung in Kairo sei sehr detailliert und gründlich gewesen. Israel hatte zuvor schon begonnen, die nach der Ermordung eines jüdischen Siedlers verhängte Blockade des Gazastreifens wieder zu lockern.

Laut Scharons Plan, der am Donnerstag in der Zeitung "Haaretz" veröffentlicht wurde, sollen die Palästinenser weiterhin nur 42 % des Westjordanlandes kontrollieren. Barak hatte unlängst eine Kontrolle über 95 % der Fläche in Aussicht gestellt. Neue jüdische Siedlungen sollten nicht errichtet, bestehende aber ausgebaut werden, heißt es in Scharons Plan weiter. Dies gelte besonders für die jüdischen Siedlungen um Jerusalem. Zudem würde der Zugang zu den Siedlungen weiter unter dem Schutz der israelischen Armee stehen. Unter Straßenkreuzungen könnten aber Tunnel gebaut werden, die den Palästinensern Bewegungsfreiheit zwischen ihren Städten gewährleisten sollten. Scharon will der Gegenseite zudem wirtschaftliche Zusammenarbeit anbieten.



Israelische Armee beschießt Grenzgebiet zu Libanon



Unterdessen beschoss die israelische Armee am Mittwoch das Grenzgebiet zu Libanon mit Artillerie und Mörsern, nachdem dort verdächtige Personen bemerkt worden waren. Die Armee erklärte, sie hätten offenbar versucht, nach Israel einzudringen. Einige der Personen seien vermutlich bei dem Beschuss verletzt worden. Der Zwischenfall ereignete sich im Gebiet der so genannten Tschebaa-Höfe, die zwischen Israel und Libanon umstritten sind. Die israelische Armee ist dort ständig in höchster Alarmbereitschaft, nachdem dort am 7. Oktober drei Soldaten von libanesischen Guerillakämpfern entführt worden waren.



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