Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

05.01.2001

05:59 Uhr

Berater soll Firmengründung zur Anlage von Bestechungsgeld angeordnet haben

Neue Vorwürfe gegen Estrada

HANDELSBLATT, 5.1.2001 ap MANILA Eine weitere Zeugin im Amtsenthebungsverfahren auf den Philippinen hat am Donnerstag Vorwürfe gegen Präsident Joseph Estrada erhoben. Die Anwältin Jazmin Banal sagte aus, Präsidentenberater Edward Serapio habe sie angewiesen, zwei

HANDELSBLATT, 5.1.2001

ap MANILA Eine weitere Zeugin im Amtsenthebungsverfahren auf den Philippinen hat am Donnerstag Vorwürfe gegen Präsident Joseph Estrada erhoben. Die Anwältin Jazmin Banal sagte aus, Präsidentenberater Edward Serapio habe sie angewiesen, zwei Firmen zu gründen und sie dann an einen unbekannten neuen Besitzer zu übergeben. Serapio ist ebenfalls Anwalt in der Kanzlei der Zeugin.

Die Staatsanwaltschaft will Beweise vorlegen, dass Estrada die Firmen dazu nutzte, erhaltenes Bestechungsgeld anzulegen. Laut Banal forderte Serapio sie im Oktober 1999 auf, mehrere Blankodokumente über die Firmengründungen zu unterzeichnen. Sechs Monate zuvor war Serapio zum Präsidentenberater ernannt worden. In dem ersten Amtsenthebungsverfahren des Landes werden Präsident Estrada Bestechung, Veruntreuung und Verstöße gegen die Verfassung vorgeworfen. Estrada bestreitet die Vorwürfe.

Der Provinzgouverneur Luis Singson hatte das Verfahren mit der Aussage ins Rollen gebracht, er habe im Auftrag des Präsidenten die landesweite Eintreibung von Bestechungsgeldern von Betreibern illegaler Spielsalons organisiert und umgerechnet 16,4 Mill. DM (8,4 Mill. Euro) an Estrada weitergeleitet. In einem vierstündigen Kreuzverhör am Mittwoch bekräftigte Singson seine Aussage.

Nach philippinischem Gesetz müssen alle Politiker ihr Vermögen offen legen. Estrada gab sein Vermögen im vergangenen Jahr mit 35 Millionen Peso (rund 1,5 Mill. DM) an. Für die Amtsenthebung ist die Zustimmung von zwei Dritteln der 22 Senatsmitglieder erforderlich.

Estrada wird in dem Amtsenthebungsverfahren unter anderem beschuldigt, Tabaksteuern unterschlagen, Geschäftsfreunde vor Strafverfolgung geschützt und Regierungsposten mit Freunden besetzt haben. Das Unterhaus des philippinischen Parlaments hatte das Verfahren gegen Estrada im vergangenen November eingeleitet.

Auch gestern kam es wieder zu Anschlägen in Manila. Nach den Anschlägen zum Jahreswechsel mit mindestens 15 Toten waren Spekulationen laut geworden, mit der Terrorwelle solle die Erklärung des Ausnahmezustands und der Abbruch des Verfahrens provoziert werden.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×