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14.07.2000

21:19 Uhr

Berichte im Wall Street Journal

US-Telekommarkt nach gescheiterter Großfusion in Bewegung

Der japanische Konzern NTT DoCoMo will der Telekom angeblich VoiceStream abjagen.

afp WASHINGTON. Der US-Telekommunikationsmarkt ist nach dem Scheitern der Großfusion von MCI WorldCom und Sprint in Bewegung. Während Branchenkenner in den USA mit einem Bieterrennen um Sprint rechneten, berichtete das "Wall Street Journal" (Originalbericht) am Freitag in seiner Online-Ausgabe von konkurrierenden Geboten um den US-Mobilfunkkonzern VoiceStream, der wie Sprint als Wunschkandidat der Deutschen Telekom gilt.



Der US-Zeitung zufolge ist der japanische Konzern bereit, bis zu 200 Dollar (418 Mark) je VoiceStream-Aktie zu zahlen und die Deutschen damit zu überbieten. US-Marktgerüchten zufolge hat die Deutsche Telekom rund 180 Dollar je Aktie geboten.



Ein Sprecher von NTT DoCoMo bestätigte dem "Wall Street Journal" ein generelles Interesse seiner Firma an einer Expansion nicht nur in Europa und Asien, sondern auch in den USA. Ins Detail gehen wollte er aber nicht. NTT DoCoMo hatte zuletzt eine milliardenschwere strategische Allianz mit dem niederländischen Ex-Monopolisten KPN und der Hongkonger Gruppe Hutchison Whampoa zur Erschließung des europäischen UMTS-Marktes verkündet. Hutchison ist auch Anteilseigner von VoiceStream.



Der US-Zeitung zufolge ist noch nicht entschieden, ob NTT DoCoMo ein Kaufangebot für den US-Konzern unterbreitet oder eine Allianz mit Hutchison anstrebt, um sich mindestens 49 Prozent an VoiceStream einzuverleiben. Bei einem Preis von 200 Dollar je Aktie würde die US-Firma mit 52 Milliarden Dollar (108,7 Milliarden Mark) bewertet und damit deutlich höher als bei dem kolportierten informellen Telekom-Gebot.



Analysten sind indessen bei beiden Bewerbern skeptisch wegen des noch hohen Staatsanteils: Konzernmutter von NTT DoCoMo ist der früherer japanische Monopolist NTT, und die Deutsche Telekom ist trotz dreier Börsengänge noch immer zu einem Großteil im Besitz des Bundes. Interesse an VoiceStream wird auch France Télécom, dem ebenfalls erst teilprivatisierten französischen Ex-Monopolisten, und dem US-Konzern SBC Communications nachgesagt. Die Telekom-Offerte ging deutschen Presseinformationen zufolge indes bilang am weitesten.



Das 1994 entstandene Unternehmen VoiceStream zählt nach eigenen Angaben rund 2,29 Millionen eigene Kunden und bietet über Tochterfirmen und Partner insgesamt 220 Millionen Menschen seine Dienste an. Das Unternehmen präsentiert sich als weltgrößter Betreiber von digitalen Mobilfunknetzen im derzeitigen GSM-Standard. Die größten Anteile halten Hutchison und die finnische Sonera. Die Firma versuchte zuletzt, mit aggressiver Werbung und der US-Schauspielerin Jamie Lee Curtis als Konzernsprecherin von sich reden zu machen.

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