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21.02.2003

08:09 Uhr

Berlusconi will Gaddafi als Vermittler in Bagdad einsetzen

Exil-Pläne für Saddam haben wieder Konjunktur

Mit der Diskussion über ein Ultimatum an Saddam Hussein in einer neuen Sicherheitsratresolution taucht eine alte Friedenshoffnung neu auf: Pläne für einen Rückzug Saddams ins Exil. Die Schweiz und Ägypten fühlten sich zu harten Dementis genötigt: Sie seien nicht bereit, dem irakischen Diktator Asyl zu gewähren. Doch Italiens Premier Silvio Berlusconi bearbeitet seit Wochen seinen alten Freund Muammar Gaddafi, Saddam & Co. aufzunehmen.

Montage: Handelsblatt.com/Fotos: dpa

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law/kri DÜSSELDORF. Egal, ob sich der Sicherheitsrat auf eine neue Resolution einigt oder die USA ohne Mandat angreifen - Saddam bleiben nur zwei Möglichkeiten, mit dem Leben davon zu kommen: Zu kapitulieren und sich entwaffnen zu lassen oder aufzugeben und ins Exil zu verschwinden.

Libyen soll nach Berlusconis Plänen eine Vermittlerrolle bei Saddam spielen. In langen Telefonaten hat der Premier auf Gaddafi eingewirkt - bislang noch ohne Antwort aus Tripolis. Nur inoffiziell wird in Rom von einem Brief Berlusconis gesprochen, in dem dieser den Oberst bittet, Saddam aufzunehmen.

"Berlusconi hat nichts mit der internen Situation im Irak zu tun", so die bissige Reaktion von Saddam-Vize Tarik Aziz in Rom. Und auch das US-Außenministerium soll nicht glücklich über das italienische Vorpreschen sein, da Libyen nach wie vor argwöhnisch beobachtet wird. Außenminister Franco Frattini rudert bereits zurück: die Chancen seien nicht groß, dass Saddam bereit sei, ins Exil zu gehen. Doch sollte der Weg doch nach Libyen gehen, hätte der irakische Diktator berühmte Nachbarn: Nach einer Meldung der Washington Times soll Osama bin Laden auf dem Weg nach Libyen sein.

Auch Russland und der saudische Außenminister Saud al-Faisal hatten schon versucht, einen Exil-Plan für Saddam aufzustellen, zum Beispiel in Saudi Arabien - wo Idi Amin seinen Lebensabend genießt. US-Präsident Bush räumte nach einem Treffen mit Faisal eine solche Möglichkeit ein: "Sollte Saddam mit seinen Gefolgsleuten das Land verlassen, würden wir das begrüßen. Der Einsatz von Soldaten ist meine letzte Wahl, nicht meine erste." Doch ließ Saddam alle Emissäre wütend hinauswerfen, berichten arabische Medien.

Und genau das ist das Problem. Nach Einschätzung fast aller Landeskenner, die sich auf seinen blutigen Lebenslauf und seine psychologische Verfassung berufen, wird Saddam eher sterben als die Macht freiwillig abzugeben. "Jede Hoffnung auf eine Abdankung widerspricht den Charakterzügen Saddams, seinem unheilbaren Optimismus, seinem tief verankerten Stolz und seinem Glauben an den eigenen historischen Auftrag", argumentiert Amatzia Baram von der Universität von Haifa in einer Studie für den US-Think Tank Brookings. Das mache es "extrem unwahrscheinlich", dass der Diktator vor Kriegsbeginn die Waffen strecke. Erst wenn die US-Soldaten vor seinem Palast stehen, könne sich die Lage drehen.

Nicht umsonst erinnerte der israelische Verteidigungsminister Mofaz daran, dass Saddam im ersten Golfkrieg 1991 seine Koffer bereits gepackt hatte, seine Flucht aber abblies, als er sein Leben nicht akut bedroht sah.

Auch diesmal ist nicht damit zu rechnen, dass er sich vor Kriegsausbruch zur Flucht bereit findet. Denn weder die USA noch die Uno könnten ihm garantieren, dass er sich nicht doch vor einem US-Militärgericht oder dem Internationalen Strafgerichtshof für seine zahlreichen Gewalttaten bis hin zum Völkermord verantworten muss. Daher setzen die Saudis jetzt auf eine allerletzte Möglichkeit, den Krieg zu verhindern: Wenn der Angriff unmittelbar bevorstehe, könne es zu einem Putsch der irakischen Militärs kommen. In Bagdads Regime soll ein Keil getrieben werden, indem der Uno-Sicherheitsrat den Offizieren eine Amnestie verspricht, die mit der Uno kooperieren.

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