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28.01.2002

18:52 Uhr

Bertelsmann drängt in den chinesischen Markt

Der Preis ist auch in Shanghai heiß

VonAxel Postinett

Neben amerikanischen Giganten wie AOL Time Warner, Viacom und News Corp. will jetzt auch die deutsche Bertelsmann AG, Gütersloh, ihre TV-Präsenz in der Volksrepublik China massiv erhöhen.

SHANGHAI. Bei einem Besuch in Beijing erhielt Konzernchef Thomas Middelhoff die verbindliche Zusage der chinesischen Regierung, TV-Inhalte in China produzieren zu können.

Voraussichtlich erstes Ereignis dieser Vereinbarung: Bertelsmann produziert gemeinsam mit chinesischen Partnern die Erfolgsshow "Der Preis ist heiß" ("The Price Is Right"). Hierfür arbeitet die zur RTL Group gehörende Fremantle Productions Asia Pte Ltd, Singapur, mit den Shanghaier TV-Firmen Sino Universal Media und Oriental TV zusammen. Voraussichtlich ab Juli 2002 soll die Show über die Bildschirme in der 14-Millionen-Stadt Shanghai flimmern, bestätigte ein RTL-Sprecher auf Anfrage.

Kooperationen mit chinesischen Partnern

Erste Gespräche laufen nach Handelsblatt-Informationen auch mit der in Hongkonger Sun Satellite TV. Sun TV betreibt einen Satelliten-Kanal, vermarktet von Shanghai aus TV-Inhalte an lokale Sender und will sich zum führenden Familienprogramm entwickeln. Bruno Wu, CEO von Sun TV: "Wir sehen großes Potenzial in einer Kooperation mit Bertelsmann."

Sendungen wie "Der Preis ist heiß" haben im politisch hoch sensiblen chinesischen TV-Markt zwei Vorteile: Sie sind unpolitisch und zielen direkt auf die Werbekunden. In China stehen Fernsehgeräte bereits in 93 Prozent aller Haushalte und 1 200 lokale Sender suchen nach modernen, auch westlichen Inhalten. Das Werbeaufkommen hat laut Xinghua Online ein Volumen von umgerechnet rund 2,4 Mrd. Euro und soll dieses Jahr um 13 % wachsen.

Asien ist für Bertelsmann noch Neuland

Der asiatische TV-Markt insgesamt ist für Bertelsmann Neuland. Obwohl das Fernsehen mit rund 26 Mrd. $ der größte Werbeträger ist, ist die RTL Group hier kaum vertreten. Dabei ist alleine der japanische TV-Markt doppelt so groß wie der deutsche. Bertelsmann-Chef Middelhoff will in den nächsten 12 Jahren den Umsatzanteil Asiens von 2,5 auf 10 % des Gesamtumsatzes steigern, auf Basis heutiger Umsätze waren das gut 2 Mrd. Euro. Da die etablieren TV-Märkte fest in den Händen der Wettbewerber sind, kann Bertelsmann dieses Wachstum nur mit China erreichen.

Bertelsmann geht hier jedoch spät ins Rennen. Zahlreiche US-Sender sind von Hongkong aus längst in Hotels und Ausländer-Siedlungen zu empfangen. Diese Erfahrungen können AOL, Viacom oder News Corp. jetzt in einem Pilotprogramm in der innerchinesischen Provinz Guangdong nutzen.

Um so wichtiger wäre für Bertelsmann eine schnelle Kooperation mit Sun TV. Zu Sun gehört auch Sina.com, Chinas größte Web-Site. Ziel ist es, das in Europa bei RTL erfolgreiche Modell der Verbindung von TV und Internet als gegenseitige Marketinginstrumente auf China auszudehnen.

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