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05.05.2003

08:57 Uhr

Bertelsmann will an jüngsten Quotenerfolg anknüpfen

Teamworx lockt mit Veronica Ferres

VonPetra Schäfer (Handelsblatt)

Bei den Fernsehproduzenten hat der Sparkurs der Sender deutliche Spuren hinterlassen - so auch bei der Bertelsmann-Tochter Teamworx. Doch der Erfolg des jüngsten Sat1-Films mit Veronica Ferres gibt Teamworx-Chef Nico Hofmann Auftrieb. Er setzt auf Serien und Groß-Produktionen mit dem Ex-Kirch-Manager Jan Mojto.

Veronica Ferres im Sat1-Zweiteiler "Für immer verloren", Foto: Sat1

Veronica Ferres im Sat1-Zweiteiler "Für immer verloren", Foto: Sat1

DÜSSELDORF. Nico Hofmann hat gut Lachen: Der Chef der Berliner Teamworx Produktion für Kino und Fernsehen hat mit dem Sat 1-Zweiteiler "Für immer verloren" in der vorigen Woche einen überraschenden Quotenerfolg erzielt. Jetzt soll sich Hauptdarstellerin Veronica Ferres für die Produktionsfirma erneut als Zuschauermagnet erweisen: Mit ihr als Co-Produzentin wird Hofmann noch in diesem Jahr einen großen Fernsehfilm, einen so genannten Event-Movie, für Sat 1 realisieren, bestätigt er.

Ferres hat sich über ihre Produktionsfirma Bella Vita bereits die Rechte an dem Roman "Kein Himmel über Afrika" von Kerstin Cameron, einer Beziehungsgeschichte, gesichert, so ihre Sprecherin. "Das ist bisher einmalig für einen deutschen Star, Bestseller- Rechte für die Verfilmung zu erwerben", freut sich Hofmann.

In "Für immer verloren" spielte Veronica Ferres eine Mutter, die in der Türkei wegen angeblichen Drogenbesitzes zu 20 Jahren Haft verurteilt wird. Gleichauf mit dem Film "Der Tunnel" hat der Ferres-Streifen die besten Fernsehfilm-Einschaltquoten in der Geschichte von Sat 1 eingefahren. Beide Teile hatten in der für die Werbekunden relevanten Zielgruppe zwischen 14 und 49 Jahren laut GfK-Daten einen Marktanteil von knapp 20 und 26 %. Der Erfolg des Fernsehfilmes halte Teamworx "den Rücken frei für neue Pläne", erläutert Hofmann. Doch nicht nur das: Der Zweiteiler macht der gebeutelten Branche der Fernsehproduzenten Hoffnung. Auch bei den großen Teamworx-Konkurrenten wie Bavaria Film und Studio Hamburg hat der Verzicht der Sender auf neue Produktionen in 2002 Spuren hinterlassen.

Doch jetzt liegen aufwendige Event- Produktionen bei fast allen Sendern im Trend. Im Mai sendet die ARD den TV-Film "Zwei Tage Hoffnung" über den Arbeiteraufstand des 17. Juni, den Teamworx mit einem Budget von 4 Mill. Euro produziert hat. Viel Geld für eine Einzelproduktion: "Dabei habe ich ausnahmsweise auf meine Gewinn-Anteile weitgehend verzichtet", sagt Hofmann. An Teamworx ist die Bertelsmann-Tochter Ufa mehrheitlich beteiligt.

Zusammen mit Jan Mojto, einem ehemaligen Manager des Medienkonzerns Kirch, will Hofmann noch in diesem Jahr in den Markt für renommierte Großproduktionen einsteigen. Mojto hat mit seiner Firma EOS jüngst die europäische Koproduktion "Augustus" abgedreht, die im nächsten Jahr im ZDF zu sehen sein soll.

Das Ferres-Projekt soll der erste Auftrag der neu zu gründenden Firma werden. Doch noch scheitert es an einer gesicherten Finanzierung: Erst soll noch ein Star wie Gérard Depardieu in der männlichen Hauptrolle Produktionsmittel von anderen europäischen Sendern einwerben.

Von Event-Filmen allein kann die Bertelsmann-Produktionsfirma jedoch nicht leben, denn die Aufträge kommen unregelmäßig. Hofmann will deshalb das Geschäft mit Serien ausbauen. Teamworx soll demnächst eine Serie an RTL verkaufen, wünscht sich der Chef. Die Firma hat in den vergangenen Jahren nur noch wenig für den Bertelsmann-Sender produziert, doch nun setzt Hofmann stärker auf Synergien im Bertelsmann - Reich. "Teamworx hat bei Serien Nachholbedarf an Aufträgen", sagt Jan-Richard Schuster, Serien-Chef von RTL. Serien füllen große Programmstrecken der Sender, und sie sind bei längeren Staffeln für Produzenten lukrativ. Eine Folge der RTL-Serie "Alarm für Cobra 11" kostet 1 Mill. Euro.

Von Kinoproduktionen will Hofmann dagegen bald die Finger lassen. Ein letztes Kinder-Kino-Projekt verfolgt Teamworx in diesem Jahr gemeinsam mit Constantin Film. Danach soll es nur noch Qualitätsfernsehen geben.

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