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16.04.2003

14:25 Uhr

Berüchtigter Planer der „Achille Lauro“-Entführung

Abu Abbas im Porträt

Weltweit bekannt wurden Abu Abbas und seine Befreiungsfront erst mit der Kaperung des italienischen Luxusliners „Achille Lauro“ im Oktober 1985. Zuvor war die PLF weitgehend unbekannt.

HB/dpa HAMBURG. Als seine Männer vor 18 Jahren das italienische Kreuzfahrtschiff "Achille Lauro" im Mittelmeer kaperten, wurde der Chef der Palästinensischen Befreiungsfront PLF in Israel und Europa als Terrorist gefürchtet. Für die arabische Welt war Abu Abbas ein Freiheitskämpfer. Auch nach dem Oslo-Vertrag von 1993 akzeptierte er den Nahost-Friedenskurs von PLO-Chef Jassir Arafat höchstens halbherzig. Die USA suchten ihn weiterhin als Drahtzieher des Mordes an dem Passagier Leon Klinghoffer. Und israelische Geheimdienste glauben, dass er in den vergangenen Jahren militante Palästinenser in den Autonomiegebieten bewusst zum bewaffneten Aufstand angestiftet habe.

Die PLF von Abu Abbas ist eine nur etwa 50 Mann starke Splittergruppe, die sich 1977 von dem besonders militanten Volksfront-"Generalkommando" abgespalten hatte. Unter ihm begann sie ihren "bewaffneten Kampf" mit Terror-Überfällen an der libanesisch-israelischen Grenze. PLF-Terrorkommandos wagten sich sogar bis zum Strand südlich von Tel Aviv vor.

Weltweit bekannt aber wurden Abu Abbas und seine Befreiungsfront erst mit der Kaperung des italienischen Luxusliners "Achille Lauro" im Oktober 1985. Bevor die Geiselnahme von mehr als 500 Menschen endete, ermordeten die PLF-Terroristen den behinderten amerikanisch-jüdischen Passagier Leon Klinghoffer und warfen seine Leiche mit dem Rollstuhl über Bord. Abu Abbas wurde 1986 deswegen in Italien in Abwesenheit zu lebenslanger Haft verurteilt. Erst 1996 entschuldigte er sich für die Tat; das habe man so nicht geplant. Seither reiste er zwei Mal in die Palästinensischen Autonomiegebiete, ohne dabei von Israel behelligt zu werden.

Abu Abbas, eigentlich Mohammed Abbas, wurde nach israelischen Quellen 1948 in der nordisraelischen Stadt Safed geboren. Im selben Jahr floh seine Familie nach Syrien. In Damaskus soll er arabische und englische Literatur studiert haben. Im Libanon-Krieg wurde er 1982 verwundet. Nach der Ausweisung aus dem tunesischen Exil suchte Abu Abbas Anfang der 90er Jahre Zuflucht im Irak, wo ihn jetzt ein amerikanisches Spezialkommando gefasst hat.

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