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01.02.2001

19:00 Uhr

Berufsgolfer Sven Strüver meidet bei der Geldanlage jegliches Risiko

Sven Strüver: Langeweile in der Wertpapierabteilung und Unwohlsein im Spielcasino

HAMBURG. Für einen Golfprofi wie Sven Strüver ist die berufliche Vorgabe eindeutig. Einlochen, immer und immer wieder. Je weniger Schläge, desto erfolgreicher und hochdotierter ist der Job. Von einem Hole-in-one auf dem Finanzparkett träumt der Hamburger jedoch nicht. "In Sachen Geldanlage bin ich wohl typisch deutsch: Konservativ, steif, bieder", sagt der 31jährige. Sein Grinsen verrät, daß er damit bestens leben kann. Strüver, vom Auftreten her eher der dynamisch-forsche Typ, will von risikoreichen Investitionen nicht einmal ansatzweise etwas wissen.

"Als ich 1990 ins Profi-Geschäft einstieg, hatte ich 2 500 Mark Schulden, weil ich meine Wohnung neu eingerichtet hatte. Zum Glück konnte ich das Defizit schnell wieder ausgleichen. Danach ging es mir besser", erinnert sich der Sportler, der im vergangenen Jahr mehr Preisgelder einstrich als der berühmte Bernhard Langer. Mehr als 800 000 Mark flossen auf das Strüversche Konto, hinzu kam noch einmal eine ähnliche Summe durch Sponsoren-Überweisungen und Startgeld. Davon läßt sich leben, der Norddeutsche will sich nicht beklagen.

Gleichwohl hat er Ratschläge, sich doch mal langsam eine Immobilie zuzulegen, bislang in den Wind geschlagen. "Wenn, dann sollte es ein besonders schönes Objekt sein. Aber auf Kredit? Nein, das könnte ich nicht. Schon vom Gefühl her will ich nicht mit roten Zahlen hantieren", begründet Strüver seine vorsichtige Strategie. Ein befreundeter Steuerberater und Wirtschaftsprüfer kümmert sich um die Finanzen des Golfers, der bevorzugt auf Investitionen in Leasing-Gesellschaften setzt. "Eine meiner ersten Anlagen war ein Berlin-Darlehen. Damit habe ich gute Erfahrungen gemacht, dieser Richtung bin ich treu geblieben."

Einzelne Aktienwerte mag Strüver nicht ins Depot nehmen. Wenn überhaupt, dann nur Fonds. "Ich stehe auf dem Golfplatz und höre, daß eine meine Aktien um 20 Prozent nach unten gerasselt ist - nein, das muß nicht sein." Sein Manager Thomas Kröber-Reck glaubt dennoch daran, daß Strüver irgendwann Blut leckt und Aktien kaufen wird: "Nämlich dann, wenn Werder Bremen an die Börse geht." Strüver, gebürtiger Bremer und noch immer treuer Fan des Fußball-Bundesligisten, bestätigt: "Das könnte schon sein."

Mehr als ein paar Liebhaberstücke werden jedoch kaum Aufnahme in des Golfers Depot finden, denn nicht einmal ansatzweise steckt in dem Hanseaten eine Spielernatur. Spielcasinos meidet er konsequent. "Selbst 20 oder 30 Mark möchte ich dort nicht verlieren." Roulette, ob mit Jetons oder Wertpapieren, ist nicht seine Welt. Sicher, die Börse sei irgendwo schon interessant, aber er habe davon viel zu wenig Ahnung. Und um dieses Wissensdefizit auszugleichen, fehle ihm die Zeit.

Auch im Kollegenkreis auf der Profi-Tour werde selten über dieses Thema gesprochen, ausgesprochene Aktienfreaks unter den Berufsgolfern seien ihm nicht bekannt. Schon in jungen Jahren hatte Strüver gespürt, daß die Finanzwelt nicht die seine ist. "Ich habe mal bei einer Hamburger Bank für zwei Tage in den Arbeitsalltag geschnuppert. Als ich dort in der Wertpapierabteilung war, habe ich ab Mittag nur noch auf die Uhr geschaut. So sehr habe ich mich gelangweilt."

Statt dessen versuchte Strüver, dessen Vater Golflehrer ist, es als Jungprofi. Mit Erfolg. Zwar fehlen ihm noch die großen, prestigeträchtigen Major-Titel, der Abstand zur Weltspitze aber ist in den vergangenen Jahren geringer geworden. In dieser Saison allerdings läuft noch nicht alles nach Plan, vordere Plazierungen blieben Mangelware. Das US-Masters, das in der vergangenen Nacht begann, verfolgt er im Fernseher.

Mit der Rolle im Schatten des berühmten Bernhard Langer, mit dessen Familie der Hamburger schon mal Weihnachten gemeinsam feiert, kann er gut leben. "Bernhard ist das, was Boris Becker im Tennis war. Eine Ausnahmeerscheinung", sagt Strüver, der zusammen mit Langer sowie Alexander Cejka und Thomas Gögele das deutsche Profigolfer-Quartett bildet. "Seitdem wir jungen Wilden dabei sind, kann Bernhard auf der Tour auch mal wieder deutsch sprechen."

Rund 35 Wochen pro Jahr ist Sven Strüver fern der Heimat unterwegs, peitscht die Bälle über die schönsten Golfanlagen der Welt und vermißt regelmäßig die Heimat Hamburg. Vor Jahren war es dennoch eine Überlegung, seinen Wohnsitz aus Steuergründen ins Ausland zu verlegen. "Dann habe ich meine Frau kennengelernt und es gab andere Prioritäten", erzählt der Sportler, der die hohe Steuerlast hierzulande vergleichsweise gelassen hinnimmt. "Sicher müssen wir in Deutschland sehr viel Steuern abführen. Im Verhältnis zu anderen Ländern bekommen wir aber auch eine Menge an Gegenleistung zurück."

Eine Menge zur finanziellen Beruhigung Strüvers tragen derzeit zwei Hauptgeldgeber (Fürst Bismarck Quelle, Fujitsu), zwei Ausrüsterverträge (Hugo Boss, Mizuno) und vier Co-Sponsoren (Lexus, Röder Zelte, Marriott Hotel Treudelberg, Deutscher Golf-Verband) bei. Für die Zukunft ist Manager Kröber-Reck zuversichtlich, daß der Vermarktungssektor noch ausbaufähig ist. "Sollte Sven irgendwann der Sprung ins Ryder-Cup-Team gelingen, ist mit Sicherheit noch eine enorme Steigerung möglich."

Die Vorzüge seines Schützlings beschreibt Kröber-Reck so: "Sven ist ein offener und bodenständiger Typ. Er reitet nicht auf irgendeiner Welle und wird auch keine flippigen Geschichten machen. Sponsoren aber suchen und finden bei ihm Affinitäten." Im Gegensatz zu anderen Sportarten gibt es beim Golf keine Einschränkung der Werbemöglichkeiten. Strüver: "Wenn wir wollten, könnten wir uns mit Schriftzügen vollpflastern."

Während viele andere Professionals nebenbei Golfplätze entwerfen und bauen, Golfschulen betreiben und sonstwie in der wohlvertrauten Branche tätig sind, hat der Hamburger in dieser Hinsicht noch nichts konkret in die Wege geleitet. Noch fühlt er sich zu jung, langfristig allerdings kann er sich derlei durchaus vorstellen. "In der Nähe von Hamburg habe ich ein Gelände im Auge, auf dem landschaftlich bestens ein Golfplatz hinpassen würde."

Bis zu einer möglichen Realisierung dieser Idee ist es ein weiter Weg, das weiß auch Strüver. Für ihn handelt es sich ohnehin nur um eine vage Zukunftsüberlegung. Wenn die Zeit reif ist für einen neuen Lebensabschnitt nach der Karriere, wird aber eines mit Sicherheit im Vordergrund stehen: Keine Experimente, kein Risiko.

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