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26.07.2000

17:05 Uhr

ap BERLIN. Die Arbeitgeber wollen sich künftig in die Bildung einmischen. Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt sagte am Mittwoch in Berlin, dieses "Megathema" sei zu wichtig, um es allein den Politikern zu überlassen. Er startete deshalb eine neue Bildungsoffensive mit dem Hauptziel, die Leistungsfähigkeit der Schulen und Hochschulen zu verbessern.

Hundt bot diesen Schulen eine Kooperation mit Betrieben vor Ort an. Die Palette der Zusammenarbeit soll von der Berufsberatung über Praktika bis hin zum Engagement der Betriebe in einzelnen Unterrichtsfächern reichen. Darüber hinaus schrieben die Arbeitgeber Preise für Bildung in den Sparten Schule, Hochschule und Berufsschule aus, die mit mindestens je 20 000 DM dotiert werden sollen.

Der Arbeitgeberpräsident forderte in den Schulen eine "neue Kultur der Anstrengung und der Leistungsorientierung". Es sei nicht richtig, Schüler aus falsch verstandenem Mitleid "durchzuschleppen". Gesamtschulen sollten wegen schlechterer Ausbildung abgeschafft werden. Weil Schüler häufig unvorbereitet ins Berufsleben kämen, müsse an den allgemein bildenden Schulen ein Unterrichtsfach Wirtschaft eingeführt werden.

Im Hochschulbereich verlangte Hundt die Einführung von Studiengebühren von 1 000 bis 1 500 DM pro Semester und die Abschaffung der Zentralstelle zur Vergabe von Studienplätzen. Die Hochschulen müssten sich ihre Studenten selbst aussuchen können. Die Studienfinanzierung muss nach Ansicht der Arbeitgeber grundlegend reformiert werden. Statt Bafög sollte jedem Studenten eine Basisfinanzierung aus Kindergeld und Elternfreibetrag ausbezahlt werden.

"Die Berufsschule ist, ähnlich wie die Hauptschule, zum Stiefkind der Bildungspolitiker verkommen", kritisierte Hundt. Bei der Lehrlingsausbildung müsse der praktischen Ausbildung wieder mehr Platz eingeräumt werden. Ab dem zweiten Berufschuljahr solle der zweite Berufsschultag gestrichen werden.



Zwtl: Mehr Flexibilität der Berufsschulen gefordert



Auch der Deutsche Industrie- und Handelstag forderte eine Anpassung der Berufsschulen an den rapiden Wandel auf dem Arbeitsmarkt. DIHT-Hauptgeschäftsführer Franz Schoser sagte, von den derzeit 360 anerkannten Ausbildungsberufen seien seit 1996 insgesamt 34 neue Berufe entstanden und 108 Ausbildungsberufe modernisiert worden. Dennoch drohten die Berufsschulen den Anschluss an die Entwicklung zu verlieren.

Laut Schoser stammen die Strukturen der Berufsschulen aus "innovationsarmen Zeiten". Demgegenüber werde die Berufspalette durch die Informationstechnologie und die Medien sowie angesichts einer Vielzahl neuer Dienstleistungen immer dichter und die Ausbildungsgänge immer komplexer. Nach Zahlen des DIHT wird die Schere zwischen Bedarf und Angebot an Berufsschullehrern infolge ungünstiger Altersstruktur in den kommenden fünf Jahren noch weiter auseinander klaffen als bisher.

Nach einer Untersuchung der Freien Universität Berlin sind bei der Integration türkischer Jugendlicher mangelnde Deutschkenntnisse nach wie vor das gravierendste Problem. Berlins Schulsenator Klaus Böger sagte, etwa 25 % der türkischen Schüler hätten im vergangenen Jahr keinen Schulabschluss erreicht. Bei deutschen Jugendlichen seien es zwölf Prozent gewesen. Diese Jugendlichen hätten die "denkbar schlechtesten Startchancen im Arbeitsleben".



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