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23.01.2003

17:27 Uhr

"Bescheidenheit ist angesagt"

Zurückhaltung zum Auftakt

Mit zurückhaltenden Äußerungen über die weitere Entwicklung der Weltwirtschaft angesichts eines möglichen Krieges in Irak hat am Donnerstag im schweizerischen Davos das 33. Weltwirtschaftsforum (WEF) begonnen. Zu dem sechs Tage dauernden Forum werden am Wochenende mehr als 2 300 Spitzenvertreter aus Politik und Wirtschaft in dem streng bewachten Wintersportort erwartet.

Reuters DAVOS. Gail Fosler, Chefvolkswirtin des amerikanischen Business Council, sagte, am besten sei die wirtschaftliche Ausgangslage in den USA. Doch auf den USA laste ein Reihe von Risiken, die mit einem möglichen Krieg im Irak zu tun hätten.

Wenn ein Krieg vermieden werden könne, könnten die USA in diesem Jahr auf ein Wirtschaftswachstum von 3,5 Prozent kommen. Das reiche, um auch dem Rest der Welt Impulse für ein Wirtschaftswachstum von etwa 2 Prozent zu verleihen, sagte die Volkswirtin. Falls es einen längeren Krieg gebe, dürften das Verbrauchervertrauen und auch die Investitionslust der Unternehmen jedoch erst einmal einbrechen.

Stephen Roach, Chefvolkswirt der Investmentbank Morgan Stanley, sagte, in einem solchen Fall sei eine zweite Rezession zu erwarten. "Wenn wir mit einem dicken wirtschaftlichen Polster Krieg führen würden, könnten wir es gut überstehen. Wenn wir es bei Nullwachstum machen, werden wir eine Rezession bekommen", sagte er Reuters. In einem solchen Fall gehe er davon aus, dass die US-Wirtschaft über mehrere Quartale um 1 bis 2 Prozent schrumpfen würde, selbst wenn die Preise für Öl nur für wenige Wochen anstiegen. Robert Hormats, Vice Chairman der Investmentbank Goldman Sachs sagte: "Wir sind militärisch sehr gut vorbereitet, wirtschaftlich aber nicht."

Der mögliche Krieg im Irak dürfte die Teilnehmer an dem Forum mit dem Thema "Vertrauen bilden" im schwer bewachten Davos am meisten beschäftigen. "Wir sind am Vorabend eines möglichen Krieges", sagte WEF-Gründer und Organisator Klaus Schwab in einem Interview. Bescheidenheit sei angesagt. Das gelte auch für Manager, die ihre Entscheidungen wieder mehr auf der Grundlage moralischer und ethischer Grundsätze fällen müssten. Unter anderen sei beim diesjährigen WEF auch die große Feier am Samstag gestrichen worden, sagte Schwab.

Am Samstag planen Globalisierungsgegner und Friedensaktivisten in Davos eine Demonstration, zu der einige tausend Teilnehmer erwartet werden. Zwischen den Veranstaltern und den Behörden liefen noch Verhandlungen über die Kontrollen auf den Zufahrtswegen nach Davos. Die Behörden wollen die Demonstranten ähnlich wie bei großen Sportveranstaltungen einzeln kontrollieren, um mögliche Gewalttäter erfassen zu können. Die Demonstrationsveranstalter lehnen solche Kontrollen ab und wollen möglicherweise an einem anderen Ort als Davos demonstrieren.

Für die Sicherheitsmaßnahmen für das Forum geben die Schweizer Behörden in diesem Jahr rund 10 Mill. Euro (fast 15 Mrd. Franken) aus. Unter anderem wurde eigens eine vom Militär überwachte Flugverbotszone über dem Kanton Graubünden eingerichtet.

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