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03.08.2000

20:22 Uhr

Beschwerde von Sun Microsystems

EU verschärft Kartellstreit mit Microsoft

Die europäischen Kartellbehörden erhöhen den Druck auf Microsoft: Die Europäische Union hat gestern offiziell ein Kartellverfahren gegen Microsoft eingeleitet.

ap/sgr DÜSSELDORF. Die europäischen Kartellbehörden erhöhen den Druck auf Microsoft: Die Europäische Union hat gestern offiziell ein Kartellverfahren gegen Microsoft eingeleitet. Zugleich bestätigte das Bundeskartellamt in Bonn, man verfolge Beschwerden über den US-Softwarekonzern. Die EU-Kommission wirft Microsoft vor, seine starke Marktposition bei Computer-Betriebssystemen dazu ausgenutzt zu haben, auch den Markt für Server-Software zu dominieren. Auslöser des Verfahrens ist eine Beschwerde des US-Softwarekonzerns Sun Microsystems. Danach verweigert Microsoft Informationen über sein Windows-System, auf die andere Programme aufbauen müssen.

Eine Sprecherin von EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti sagte, Microsoft sei zu einer Stellungnahme aufgefordert worden. Der US-Konzern habe zwei Monate Zeit zu antworten. Danach werde die EU-Kommission voraussichtlich bis Ende des Jahres prüfen, ob weitere Schritte eingeleitet würden. Die EU betonte zugleich den Unterschied zu dem in den USA gegen Microsoft anhängigen Kartellverfahren: Bei den Ermittlungen der EU gehe es um Server-Betriebssysteme, in den USA war dagegen die marktbeherrschende Stellung bei Internet-Browsern Auslöser eines Kartellverfahrens.

Die EU ist der Auffassung, dass Microsoft Informationen an Wettbewerber "nach Gutdünken" weitergegeben oder sich gar geweigert hat, Wettbewerbern Informationen zur Verfügung zu stellen. Sun hatte angeführt, die nahezu monopolartige Position von Microsoft bei Betriebssystemen verpflichte das Unternehmen, die Schnittstellen-Informationen offen zu legen, damit sie mit den Servern anderer Hersteller genutzt werden könnten.

Microsoft erklärte, Informationen über die Schnittstellen seien in Büchern, im Internet oder auf Konferenzen veröffentlicht worden. Sun wolle aber, dass Microsoft Firmengeheimnisse preisgebe. "Wir glauben nicht, dass das Gesetz die Offenlegung von Firmengeheimnissen an direkte Konkurrenten vorsieht", heißt es. "Windows 2000 macht lediglich in einem Markt große Fortschritte, in dem Sun der stärkste Anbieter ist."

Das Bundeskartellamt geht unterdessen nach eigenen Angaben Beschwerden deutscher Computerhändler wegen missbräuchlichen Verhaltens von Microsoft nach. Die Händler werfen dem Konzern vor, eine Kampagne gegen Softwarepiraterie zu missbrauchen, um ihnen Preise zu diktieren.

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