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29.01.2001

13:26 Uhr

dpa DAVOS. Der jugoslawische Präsident Vojislav Kostunica ist am Montag wegen der eskalierenden Gewalt im Süden Serbiens vorzeitig vom Weltwirtschaftsforum in Davos abgereist. Das bestätigte eine Sprecherin des Forums. Zuvor äußerte sich Kostunica äußerst besorgt über die Situation um Presevo, außerhalb der entmilitarisierten Zone entlang des Kosovos. Die Lage habe sich verschlimmert. "Wir wissen, dass die KFOR versucht, was zu tun, aber die Probleme bleiben." Gewalt von serbischer Seite schloss Kostunica aus. Seine Regierung werde ihre diplomatischen Anstrengungen intensivieren.

Am Samstag war bei Presevo ein jugoslawischer Soldat nach einem Überfall gestorben, der zuvor von bewaffneten Albanern schwer verletzt worden war. Die jugoslawische Armee machte albanische Rebellen für die Tat verantwortlich. Sie hätten am Freitagabend bei einem Angriff nahe Presevo Raketenwerfer, Mörser und schwere Maschinengewehre eingesetzt.

Die Probleme in Südserbien, die Arbeitslosigkeit von 40 % und die Schäden in Höhe von 30 Mrd. $ durch die NATO - Bombardierung im Frühjahr 1999 hätten für seine Regierung höhere Priorität als die Verfolgung von Ex-Präsident Slobodan Milosevic.

Die Chefanklägerin des UN-Kriegsverbrechertribunals, Carla Del Ponte, hatte sich nach ihrem Besuch in Belgrad vergangene Woche in Davos enttäuscht gezeigt, dass Kostunica Milosevic nicht ausliefern will. "Del Ponte hatte ein Problem: Ihre Erwartungen waren nicht objektiv. Das hat sie nach den Gesprächen gemerkt", sagte Kostunica. Es sei immer besser, wenn Politiker sich vor Gerichten ihres eigenen Landes zu verantworten hätten. Andernfalls bestehe die Gefahr, dass sie zu Hause zu Helden aufgebaut würden.

Kostunica bekräftigte, dass seine Regierung trotz Vorbehalten gegen das Tribunal die Zusammenarbeit fortsetzen werde. "Die Kooperation mit Den Haag ist für uns eine Frage von Leben und Tod", sagte Kostunica. "Das Tribunal ist aber eine Realität, die auch kritisiert werden darf. Es ist nicht die heilige Bibel." In seinen Augen handele es sich um eine politische Institution.

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