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27.01.2002

19:00 Uhr

Beteiligung an Kölner GEW

RWE rückt näher an die Kundschaft

Mit der Beteiligung an einem der größten lokalen Energieversorger rückt der Essener RWE-Konzern näher an seine Kunden. Doch auch andere Stadtwerke geraten ins Visier der Stromriesen.

ews/jsn DÜSSELDORF. Das Bundeskartellamt macht den Weg frei für den Einstieg des Essener Energieriesen RWE AG bei der GEW Köln AG, einem der größten Stadtwerke Deutschlands. Noch im Januar wird die Bonner Behörde voraussichtlich die Entscheidung bekannt geben, dass sich die RWE-Töchter Plus, Net und Rhenag in einem ersten Schritt mit 20 % an dem neuen Unternehmen GEW RheinEnergie AG beteiligen dürfen. Nach langen und intensiven Gesprächen mit dem Bundeskartellamt, in denen RWE von den beabsichtigten 25,1 % auf 20 % herunter gehandelt wurde, habe die Behörde Zustimmung signalisiert, heißt es bei der GEW.

Die führenden deutschen Energiekonzerne Eon, RWE und Ruhrgas haben bereits eine Vielzahl von Kapitalbeteiligungen an kommunalen Versorgern erworben. Zum Unwillen von Ulf Böge. Der Kartellamtschef warnte gegenüber dem Handelsblatt, dass durch die Bestrebung der deutschen Strom- und Gaswirtschaft, möglichst alle Produktionsstufen in eine Hand zu bringen, unabhängige Vertriebswege allzu sehr zugeschüttet werden könnten.

Den Großen der Branche haben die Bonner Wettbewerbshüter bei ihrem Drang nach vertikaler Integration bereits ein Limit gesetzt. An Stadtwerken dürfen sie sich nur noch bis maximal 20 % beteiligen.

Dabei besitzen die lokalen Energievertreiber für die Stromriesen einen hohen Reiz: Die Ex-Monopolisten haben festgestellt, dass sie der Kampf um den einzelnen Privatkunden viel zu teuer kommt. Das bestätigt Karlheinz Bozem, Geschäftsführer der Münchener Unternehmensberatung Booz, Allen & Hamilton GmbH, dem Handelsblatt. Hinzu kommt, dass die Wechselbereitschaft deutscher Stromverbraucher bislang wenig ausgeprägt ist. Die Stadtwerk bieten die Rettung, denn sie besitzen riesige Kundenkarteien.

Dabei kommt den Großkonzernen zugute, dass ein Sterben der 900 deutschen Stadtwerke - wie zunächst beim Start der Strommarkt-Liberalisierung vorausgesagt - ausgeblieben ist. "Die zentrale Erkenntnis von drei Jahren Wettbewerb ist die hohe Kundenbindung der Stadtwerke", sagte Michael Schöneich, Geschäftsführendes Präsidialmitglied des Verbands Kommunaler Unternehmen (VKU) in Köln.

Doch im Gegensatz zu Eon und RWE dürfen kleinere Energiefirmen das 20-Prozent-Limit bei Beteiligungen an lokalen Versorgern überschreiten. Die Mannheimer MVV Energie AG, als bislang einziges ehemaliges Stadtwerk in Deutschland an der Börse notiert, konnte Ende vergangenen Jahres 49,9 % der Stadtwerke Ingolstadt erwerben.

Ohne Kooperationen fällt es den Stadtwerken inzwischen schwer zu überleben. Die Berater von A.T. Kearney in Düsseldorf sind davon überzeugt, dass ihre komfortable Situation von niedrigen Großhandelspreisen und relativ hohen Endverbraucherpreisen schon dann gefährdet ist, wenn die Erzeugungsüberkapazitäten aus dem Markt verschwinden. Vor diesem Hintergrund suchen manche Stadtwerke die Anlehnung an ihre Vorlieferanten. "Vielen Kommunalversorgern fehlt die notwendige Größe", bestätigt Dieter Attig, Vorstandschef der Stadtwerke Aachen AG, dem Handelsblatt. Er warnt die Stadtwerke aber davor, sich über Beteiligungen in die Fangarme der großen privaten Player zu begeben.

Dies komme einer Selbstaufgabe gleich. Stattdessen empfiehlt Attig grenzüberschreitende und nationale Kooperationen von Stadtwerken. Auf diese Weise könnten Größennachteile überwunden und kommunale Gestaltungsspielräume durch die Wahrung der Selbstständigkeit erhalten werden. Doch bei vielen Kommunen stoßen solche Empfehlungen bislang auf taube Ohren.

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