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13.07.2000

21:56 Uhr

Beteiligungsfirma, Web-TV-Produktion und Inhaltevermarktung geplant

Axel Springer rüstet im Internet auf

Mit Investitionen im dreistelligen Millionenbereich will der Axel Springer Verlag in kurzer Zeit seine Internetaktivitäten kräftig ausbauen. Der Online-Bereich wird umstrukturiert und hat künftig zwei Säulen: die Online-Angebote der Printtitel und zahlreiche Portale rund um Medien und E-Commerce.

tel DÜSSELDORF. Der Axel Springer Verlag macht Druck beim Ausbau seiner Internet-Aktivitäten. Eine neue Struktur und Investitionen im dreistelliger Millionenhöhe sollen die Schlagkraft des Verlages im derzeit am schnellsten wachsenden Mediensegment stärken.



Viele Mitbewerber sind schließlich schon ein paar Schritte weiter: die Tomorrow Internet AG agiert seit vergangenem November 1999 an der Börse, Focus Digital ging gestern an den Neuen Markt. Die Georg von Holtzbrinck-Gruppe hat die Börsengänge der Networxs AG und von Handelsblatt.com im Visier und auch TV-Anbieter wie RTL New Media machen online mobil.



Vor zwei Wochen auf der Hauptversammlung in Berlin hat Springer-Vorstandsvorsitzender August Fischer den Aktionären den massiven Ausbau der Internet-Aktivitäten angekündigt, gestern präsentierte der Konzern die neue Struktur dieses Bereichs.



Der hat zwei Säulen: die Online-Angebote der Springer-Printtitel und alle anderen Internet-Aktivitäten, die nicht aus einer bestehenden Printmarke entstanden sind. Diese zweite Säule ist unter dem Vorstandsbereich Elektronische Medien/Multimedia angesiedelt, steht also unter der Ägide von "Welt"-Chefredakteur Mathias Döpfner, der diesen Vorstandsposten zum Monatsanfang übernommen hat. Die Online-Printmarken liegen dagegen in der Verantwortung der Vorstandsbereichen von Claus Larass (Zeitungen) und Christian Delbrück (Zeitschriften).



Im Bereich elektronische Medien/Multimedia plant der Axel Springer Verlag nach den Angaben einer Sprecherin zahlreiche neue Aktivitäten. So soll eine Gesellschaft als Wagniskapitalgeber gegründet werden, die zukünftig für den Anteilserwerb an Internet-Firmen zuständig sein wird und auch bestehende Beteiligungen wie am Internetbuchhändler "Booxtra", der Suchmaschine "Infoseek" oder dem Sportportal "Sport 1" betreuen und weiter entwickeln soll. Die Axel-Springer Vermarktungsgesellschaft Interactive Media wird für diesen Bereich die Zweitverwertung der im Verlag generierten Inhalte steuern. Zudem wird eine zentrale Einheit geschaffen, die von der Technik über das Web Design bis hin zur Trend- und Talentsuche diesen Vorstandsbereich unterstützt. Eine weitere Einheit wird sich mit den Produktion von Web-Tv beschäften, das Internet-Fernsehen soll beispielsweise auf der Website von "Bild.de" zum Einsatz kommen.



Jenseits des Auf- und Ausbaus dieser Einheiten will Springer vor allem in "Bild.de", die Regionalportale Berlin und Hamburg, die Internet-Aktionsplattform "Go on" und das "Sport 1" investieren. Mit dem Otto-Versand ist das Unternehmen zudem in Gesprächen über ein Internetsite für Frauen. Ein Freizeitportal ist mit den Partner DEAG und Start Amadeus im Aufbau.



Bis zu 300 neue Arbeitsplätze sollen durch diese Aktivitäten in den nächsten zwei bis drei Jahren geschaffen werden. Multimedia soll neben dem Stammgeschäft Print weiteres Standbein werden. Über Umsatzerwartungen und den Zeitpunkt, wann der Online-Bereich die Gewinnschwelle erreichen soll, macht der Verlag keine Angaben. Im Geschäftsjahr 1999 konnte der Bereich elektronische Medien seinen Umsatz auf 164 Mill DM nahezu verdoppeln, wobei hier auch die TV-Aktivitäten (Sat 1) eingerechnet sind. Das Ergebnis stieg von 19 auf 27 Mill. DM. Im Vergleich zum Springer-Gesamtumsatz von 5,2 Mrd. DM ist der Anteil des Bereichs elektronische Medien aber noch klein. Ein Börsengang des gesamten Internet-Bereichs ist nach Angaben der Sprecherin von Springer nicht geplant. Denkbar sei aber die Platzierung einzelner Gesellschaften wie Interactive Media.

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